Neumeyer, Fritz
- Lebensdaten
- 1875 – 1935
- Geburtsort
- Egloffstein (Oberfranken)
- Sterbeort
- Nürnberg
- Beruf/Funktion
- Unternehmer
- Konfession
- evangelisch
- Normdaten
- GND: 12081160X | OGND | VIAF: 35296329
- Namensvarianten
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- Neumeyer, Fritz
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Neumeyer, Fritz Ludwig
Unternehmer, * 10.9.1875 Egloffstein (Oberfranken), † 10.9.1935 Nürnberg. (evangelisch)
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Genealogie
V →Georg Philipp (1843–80), aus Ansbach, Oberförster d. Frhr. v. Egloffstein, S d. Revierförsters →Franz Georg (1818–65) u. d. Elisabeth Heid (1822–80);
M Marie (1849–1926), aus E., T d. N. N. Windisch;
⚭ 1898 Hedwig (1878–1933), aus Böhmen, T d. N. N. Husslein;
1 S →Hans-Friedrich (s. 2), 1 T →Elisabeth (1909–95, ⚭ →Eitel-Friedrich Mann, 1910–60, Dipl.-Ing., Dr. rer. pol., Geschäftsführer d. F. Zündapp-Werke GmbH Nürnberg-München), Leiterin d. Sportbetreuung d. Zündapp-Werke GmbH Nürnberg-München, Gründerin e. Stiftung. -
Biographie
N. besuchte in Nürnberg die städtische Handelsschule und absolvierte seit 1890 eine kaufmännische Lehre in der „Armaturen- und Maschinenfabrik AG vorm. I. A. Hilpert“. Seit 1895 vertrat er dieses Unternehmen in Zürich, wo er 1897 eine Firma für sanitäre Einrichtungen gründete. 1903 kehrte er nach Nürnberg zurück, erwarb aus einem Konkurs die kleine Spiel- und Metallwarenfabrik Köllisch, stellte sie mit Erfolg auf die Herstellung von Gegenständen technischen Bedarfs um und nannte sie nun „Metallwarenfabrik Fritz Neumeyer“. Erfolgreichen Absatz fanden vor allem die von N. im damals üblichen Ziehverfahren hergestellten nahtlosen Messingröhren, die in Auto- und Flugzeugmotorenkühlern eingesetzt wurden. Nach Kriegsausbruch 1914 wurde er zur Lieferung von Messingkartuschen und warmgepreßten Geschoß-Stahlmänteln herangezogen. 1916 veranlaßte ihn die Reichsregierung zu einer wesentlichen Vergrößerung seiner Firma: Er eröffnete einen Zweigbetrieb in Hersbruck und gründete die „Fritz Neumeyer AG“, deren Leitung er als Generaldirektor übernahm, unter hälftiger Beteiligung der „Hirsch Kupfer- und Messingwerke AG“, Berlin-Eberswalde. In einem neuen Werk in Nürnberg-Herrnhütte, seinem späteren Stammwerk, stellte N. 1917 Stahlkartuschen und Zündhütchen her.
1918 erfolgte nach der Zerstörung der Maschinen für die Rüstungsproduktion die Einrichtung eines Halbzeugwerks mit Metallgießerei, Strang- und Rohrpressen. N. gab seinem Vetter, dem Chemiker Dr. Fritz Singer, Gelegenheit und Mittel, das seit 1924 im In- und Ausland vielfach patentierte „Singer-Verfahren“, das Warm-Fließpressen von Rohren aus massiven Messingblöcken, zu entwickeln, das später auch für Stahlrohre angewendet wurde. 1935 wurde in N.s Firma durch Adolf Liebergeld das Kalt-Fließpressverfahren entwickelt, das ebenfalls einen bedeutenden technischen Fortschritt darstellte.
N.s unternehmerische Aktivitäten waren weitgespannt. Bereits 1915 hatte sich N. an der Gründung der „Bayer. Geschützwerke Friedrich Krupp KG München-Freimann“ beteiligt, 1919 kaufte er das Werk, um Wasserturbinen für die süddeutschen Kraftwerke zu bauen. In diesem Zusammenhang erwarb er noch die Gothaer Turbinenfabrik „Briegleb, Hansen & Co“, die er 1925 an die Deutsche Reichsbahn weiterverkaufte. Um seinen Betrieb für Friedensprodukte besser auslasten zu können, gründete N. 1920/22 zusammen mit der „Hackethal Draht- und Kabelwerke AG Hannover“ die „Kabelwerk Nürnberg AG“, seit 1922 „Kabel- und Metallwerke Neumeyer AG“, die sich unter seiner Leitung bald zu einem der größten Nürnberger Industriebetriebe entwickelten. Sein größter Erfolg wurde die 1917 zusammen mit der „Friedrich Krupp AG Essen“ und der „Uhren- und Werkzeugmaschinenfabrik Gebr. Thiel Ruhla/Thüringen“ gegründete „Zünder- und Apparatebau-GmbH“ Nürnberg. Nach dem Ausscheiden seiner Partner firmierte N. das Unternehmen 1919 um zur „Zündapp, Gesellschaft für den Bau von Spezialmaschinen m.b.H.“, die zunächst u. a. Lichtmaschinen und Anlasser für Autos herstellte. Angeregt von der Berliner Automobilausstellung 1921 begann N. hiermit dem Bau des „Motorrades für Jedermann“. Bei Testfahrten fuhr das Motorrad „Z 211“ 1923 mit einem Liter Benzin 133, 5 km weit. Bis 1935 hatte Zündapp 120 000 Motorräder geliefert. Vorübergehend war N. auch an zwei 1929 gegründeten Stickstoffabriken zur Düngemittelherstellung in Nieder- und Oberschlesien beteiligt. 1930 nahm N. kurzzeitig auch seine bereits 1924 gefaßten Pläne zum Einstieg in den Automobilbau wieder auf. 1932 hatte →Ferdinand Porsche in seinem Auftrag einen „Volkswagen“ entworfen, von dem N. drei Prototypen bauen ließ. Wegen der schwierigen Wirtschaftslage wurde die Fertigung jedoch nicht aufgenommen.|
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Auszeichnungen
Dr.-Ing. E. h. (TH München 1925);
Geh. Landesbaurat (1928);
Ehrenbürger d. Univ. Erlangen (1932). -
Quellen
Qu Mus. f. Verkehr u. Technik, Berlin; Dt. Mus., München; H. Kletzke, München.
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Literatur
Allg. Automobilztg. 26, 1925, Nr. 24, S. 53 (P);
E. Diesel u. a., Kabel- u. Metallwerke Neumeyer AG|1903-53, 1953 (P);
J. Wachtel, 50 J. Zündapp 1917–67, 1967 (P);
E. Tragatsch, Motorräder in Dtld. 1894-1967, 1967;
S. Rauch, 60 J. Zündapp-Technik, 1977;
ders. u. H. Kletzke, Zündapp, 60 J. Zündapp-Technik, 1996 (P). -
Autor/in
Bernhard Hoffmann ,, Hans Christoph Graf v. Seherr-Thoß -
Zitierweise
Hoffmann, Bernhard; Seherr-Thoß, Hans Christoph Graf von, "Neumeyer, Fritz" in: Neue Deutsche Biographie 19 (1999), S. 174-175 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd12081160X.html#ndbcontent