Winckler, Josef
- Lebensdaten
- 1881 – 1966
- Geburtsort
- Bentlage bei Rheine (Westfalen)
- Sterbeort
- Bensberg (Rheinland)
- Beruf/Funktion
- Zahnmediziner ; Schriftsteller ; Zahnarzt
- Konfession
- katholisch
- Normdaten
- GND: 118807501 | OGND | VIAF: 138195
- Namensvarianten
-
- Winckler, Alfred Joseph Werner
- Winckler, Josef
- Winckler, Alfred Joseph Werner
- Winkler, Josef
- Winckler, Alfred J.
- Winckler, Joseph
- Winkler, Joseph
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- Albers, Hans
- Asagaroff, Georg
- Barthel, Max
- Bäte, Ludwig
- Dehmel, Richard
- Himmler, Heinrich
- Jansen, Franz M.
- Kippenberg, Anton
- Kirfel, Severin
- Kneip, Jakob
- Mense, Carlo
- Nietzsche, Friedrich
- Rathenau, Walther
- Rody, Theo
- Schlettow, Hans Adalbert von
- Thiele, Rolf
- Vershofen, Wilhelm
- Weber, Carl Maria
- Wohlgemuth, Otto
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Winckler, Alfred Josef Werner
| Schriftsteller, Gründer der Schriftstellervereinigung „Nyland“, * 7.7.1881 Bentlage bei Rheine (Westfalen), † 29.1.1966 Bensberg (Rheinland), ⚰ Bergisch-Gladbach, Laurentius-Friedhof. (katholisch)
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Genealogie
V →Alfred (1835–98), Dr. iur., Salineninsp. in Bentlage, später Syndikus d. Hess. Bauernver. in Marburg;
M Maria (1857–1926), aus Hopsten (Tecklenburger Land), T d. Werner Theodor Nieland (1814–1902) u. d. Adolfine Evers (1832–1909);
1 B Walther Friedrich Adolf (1883–1917 ⚔), 2 Schw;
– ⚭ Köln 1919 Adele (1895–1951), aus wohlhabender Kölner Kaufm.fam., T d. Karl Gideon u. d. Lina Hollander (1869–1939);
kinderlos. -
Biographie
W. wuchs in Westfalen und im Rheinland auf; prägend wurden die Jahre im Elternhaus seiner Mutter auf Haus Nieland in Hopsten seit 1889, die Nachhall in seinem späteren literarischen Werk fanden. Er besuchte die Rektoratsschule in Hopsten, nach dem Umzug der Familie 1894 das Thomasgymnasium in Kempen und seit 1899 ein Gymnasium in Krefeld, das er 1901 mit der Unterprimareife abschloß. 1902–05 studierte W. Zahnmedizin an der Univ. Bonn, legte 1906 sein Examen ab und war 1907–20 als Zahnarzt in Moers und Homberg (heute Duisburg) tätig. Danach lebte er, finanziell abgesichert durch das Vermögen seiner Ehefrau, als freier Schriftsteller.
Sein literarisches Debüt gab W. 1904: Mit den Studienfreunden →Wilhelm Vershofen (1878–1960) und →Jakob Kneip (1881–1958) veröffentlichte er die Gedichtsammlung „Wir Drei!“.
Mehr Anklang in der Literaturwelt fand das Anschlußwerk, die Lyriksammlung „Eiserne Sonette“ (1914, Neuausg. u. d. T. Eiserne Welt, 1930). Es folgten die nihilistisch-expressionistischen Werke „Der Irrgarten Gottes“ (Lyrik, 1922, Nachdr. 1968) und „Der chiliastische Pilgerzug“ (1923, Nachdr. 1968).
Eine Wandlung zum heiteren Volkserzähler vollzog W. mit „Der tolle Bomberg, Ein westfälischer Schelmenroman“ (1923, niederl. 1943), der ihm zum literarischen Durchbruch verhalf. Dabei machte sich der nationalkonservativ orientierte W. das Erstarken der Heimatideologie zunutze: ein Beleg für seine Anpassung an den jeweiligen literarischen Markt, die mitbestimmend für die Heterogenität seines Œuvres ist, das von kriegsverherrlichender Lyrik über existentialistische Romane bis hin zu humoristischen Heimatbüchern reicht. „Der tolle Bomberg“ wurde zum Bestseller und erfuhr zwei prominente Verfilmungen (1932, Regie: →Georg Asagaroff, 1892–1957, mit →Hans Adalbert v. Schlettow, 1888–1945, u. 1957, Regie: →Rolf Thiele, 1918–94, mit →Hans Albers, 1891–1960, in der Titelrolle). W. führte fortan ein luxuriöses Leben mit Wohnsitzen in Köln, Bonn und Bad Honnef. Sein Gesamtwerk wuchs später auf rund 40 Titel mit einer Gesamtauflage von etwa 1 Mio. verkauften Exemplaren an, womit W. zu den meistgelesenen Autoren seiner Zeit zählt.
Bedeutung erwarb W. auch als Organisator kulturellen und literarischen Lebens. So war er 1909–12 Mitherausgeber der „Jenaer Vierteljahreshefte für Kultur und Freiheit“. 1912 gründete er mit Vershofen, Kneip, →Theo Rody (1879–1957) und →Severin Kirfel (1857–1925) die literarische Vereinigung „Werkleute auf Haus Nyland“, die, an →Friedrich Nietzsche (1844–1900) orientiert, einen kulturkritischen, idealistischen Literaturbegriff vertrat und in Abgrenzung sowohl von üblicher Arbeiterdichtung als auch von romantischen, impressionistischen, expressionistischen, dadaistischen und naturalistischen Strömungen eine neue Form der Industrieliteratur propagierte.
In ihren Organen, den Zeitschriften „Quadriga“ (8 Hh., 1912–14) und „Nyland“ (8 Hh., 1918–21), feierte die Gruppe den „Triumph menschlicher Arbeitsgröße“, die „Dämonie industrieller Erscheinungen“ und den „schöpferischen Tatmenschen“. Unterstützt wurden die „Werkleute“ u. a. durch die Schriftsteller →Carl Maria Weber (1890–1953), →Max Barthel (1893–1975) und →Otto Wohlgemuth (1884–1965) sowie die Maler →Franz M. Jansen (1885–1958) und →Carlo Mense (1886–1965).
Prominente Mitglieder und Förderer waren der spätere Reichsaußenminister →Walther Rathenau (1867–1922), der Lyriker →Richard Dehmel (1863–1920) und der Verleger →Anton Kippenberg (1874–1950). Nach Erosionserscheinungen Anfang der 1920er Jahre löste sich der Bund 1925 offiziell auf.
W. paßte sich 1933–45 dem NS-Regime an, ohne in die Reichsschrifttumskammer aufgenommen zu werden. Er erhoffte sich eine Aufwertung seiner nationalen Literatur und arrangierte sich mit den neuen Machthabern, auch um seine jüd. Frau zu schützen, die 1943 mit Sondergenehmigung →Heinrich Himmlers (1900–1945) in die Schweiz ausreiste und erst nach dem Ende des NS-Systems im Aug. 1945 krebskrank zurückkehrte.
Obwohl W. nach dem Krieg nicht mehr an seine Erfolge anknüpfen konnte, wurde er in Westfalen als konservativer Volksdichter gefeiert und nahm in literarischen und kulturellen Vereinigungen einflußreiche Stellungen als Nestor der westfäl. Literatur ein. 1952 war er mit →Ludwig Bäte (1892–1977) Wiederbegründer der 1934 aufgelösten Autorenvereinigung „Die Kogge“ in Minden. 1954/55 initiierte er die Nyland-Stiftung in Köln, die das Andenken an seine Person und sein Werk ebenso wachhält wie das 2005 in Rheine eröffnete Museum J.-W.-Haus.
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Auszeichnungen
|Mitgl. d. PEN-Zentrums Dtld. (1924), d. Dt. Ak. f. Sprache u. Dichtung (1949) u. d. Westdt. Autorenverbands (1951, Ehrenmitgl. 1952);
Annette-v.-Dro|ste-Hülshoff-Preis (1953);
Gr. BVK I. Kl. (1956);
Gedenktafel auf d. Saline Gottesgabe, Rheine (1956);
Goldene Medaille d. Stadt Rheine (1961);
Silberner Koggeteller (1961);
mehrere W.-Strr.;
J.-W.-Preis f. d. besten Absolventen d. weiterführenden Schulen in Rheine (jährl. seit 1961). -
Werke
Weitere W u. a. Pumpernickel, Menschen u. Geschichten um Haus Nyland, 1925, ³1926, Nachdr. 1952;
Des verwegenen Chirurgus weltberühmbt Johannes Andreas Doctor Eisenbart (…), 1928, ²1953, Nachdr. 1984;
Im Banne d. Zweiten Gesichtes, Schicksale u. Gestalten um Haus Nyland, 1930;
Das Mutterbuch, 1939, gekürzte u. überarb. Aufl. u. d. T. Die Schöpfungsfeier, Gedichte, 1949;
Die Hl. Hunde Chinas, hg. u. mit e. Nachw. versehen v. H. M. Elster, 1968;
Die Operation, Aus d. Papieren e. Ungenannten, hg. u. mit e. Nachw. versehen v. dems., 1974;
J. W. Lesebuch, zus.gestellt u. mit e. Nachw. versehen v. R. Drost, 2005;
– Ausgew. Werke, Westfäl. Dichtungen in vier Bdn., 1960–63;
Ges. Werke in acht Bdn., bislang 6 Bde., seit 1984;
digitalisierte W-Ausg. auf d. Internetseiten d. Nyland-Stiftung;
– Korr.: Briefwechsel 1912–1966, bearb. u. komm. v. W. Delseit, hg. v. W. Gödden, 1995;
– Bibliogr.: Delseit u. Menne, 1991 (s. L), S. 123 f.;
– Nachlaß: Westfäl. Lit.archiv im LWL-Archivamt f. Westfalen, Münster (Nyland-Archiv);
J.-W.-Haus (Rheine);
Fritz-Hüser-Inst. f. Lit. u. Kultur d. Arb.welt, Dortmund;
Stadt- u. Landesbibl. Dortmund, Westfäl. Hss.archiv;
StadtA Rheine. -
Literatur
|Nyland-Stiftung (Hg.), FS J. W. anläßl. seines 75. Geb.tages, 1956;
W. Delseit u. F. R. Menne (Hg.), J. W. (1881–1966), Ein rhein.-westfäl. Schriftst., Bio-Bibliogr. Abriß, 1991;
W. Delseit, in: Rhein. Lb. 13, 1993, S. 297–312;
ders., Das Nyland-Archiv, Ein Forsch.ber., in: W. Gödden (Hg.), Lit. in Westfalen, Bd. 2, 1994, S. 135–53;
ders., „Jetzt kann ich in d. Lit. Westfalens nicht mehr untergehen.“, Heimat als lit. Konzept J. W.s, ebd., Bd. 3, 1995, S. 119–51;
ders., in: B. Kortländer (Hg.), Lit. v. nebenan 1900–1945, 1995, S. 397–404;
ders., in: Westfäl. Autorenlex. (W, L, P);
ders., in: Westfäl. Lb. 19, 2015, S. 169–87;
ders. u. W. Gödden, Lesebuch Werkleute auf Haus Nyland, 2017;
D. Sudhoff, Die lit. Moderne u. Westfalen, Besichtigung e. vernachlässigten Kulturlandschaft, 2002, S. 207–53;
Kosch, Lit.-Lex.³ (W, L);
Lit. in Nazi-Dtld. (P);
LThk³;
– Tondok.: Der Tolle Bomberg u. andere Geschichten, mit Orig.btrr. v. J. W., hg. v. d. Nyland-Stiftung, 1968 (Schallplatte);
„Ich habe mich durch Lachen befreit“, J. W. 1881–1966, 2007 (CD, P). -
Porträts
|Zeichnung v. Richard Sprick (LWL-Mus. f. Kunst u. Kultur, Münster), u. Ölgem. v. J. Steinhoff, 1958 (J.-W.-Haus, Rheine), beide Abb. in: Westfäl. Autorenlex., S. 839 f.;
Büste v. R. Wulfertange, um 1940, u. Photogrr. (alles Nyland-Archiv, Münster);
Bronzebüste v. K. Altenbernd, 1955 (Stadtbibl. Münster). -
Autor/in
Walter Gödden -
Zitierweise
Gödden, Walter, "Winckler, Alfred Josef Werner" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 223-225 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118807501.html#ndbcontent