Vogt, Hans
- Lebensdaten
- 1890 – 1979
- Geburtsort
- Wurlitz bei Rehau (Oberfranken)
- Sterbeort
- Erlau bei Passau (Markt Oberzell)
- Beruf/Funktion
- Erfinder ; Unternehmer ; Tonfilmtechniker ; Techniker ; Ingenieur ; Schmied ; Filmproduzent ; Toningenieur
- Konfession
- evangelisch
- Normdaten
- GND: 118805622 | OGND | VIAF: 35252885
- Namensvarianten
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- Vogt, Johann
- Erlau, Johannes von der (Pseudonym)
- Johannes von der Erlau (Pseudonym)
- Vogt, Hans
- Vogt, Johann
- Erlau, Johannes von der (Pseudonym)
- erlau, johannes von der
- Johannes von der Erlau (Pseudonym)
- johannes von der erlau
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Vogt, Hans (Johann, Pseudonym Johannes von der Erlau)
Erfinder, Unternehmer, * 25.9.1890 Wurlitz bei Rehau (Oberfranken), † 4.12.1979 Erlau bei Passau (Markt Oberzell). (evangelisch)
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Genealogie
V Jakob (* 1860), Dorfschmied, Landwirt in W.;
M N. N.;
B Gustav;
– ⚭ 1926 (?) Gisela N. N. († 1967);
1 S Hans, 2 T Gerda, Johanna (Hanni). -
Biographie
Nach einer Ausbildung als Maschinenschlosser 1906–08 in der Mechanischen Werkstätte Christian Gelius, Rehau, arbeitete V. als Eisendreher in einer Fabrik für Steinbearbeitungsmaschinen in Schwarzbach/Saale. In dieser Zeit meldete er seine ersten Erfindungen, einen elektrischen Verschlußauslöser und ein elektrisches Vibrations-Wettrennspiel, zum Patent an. Den Militärdienst 1910–13 leistete V. bei der Marine als Bordfunker und im Institut für drahtlose Telegraphie in Kiel. 1913 war er Ingenieur bei der Firma „Dr. G. Seibt“ in Berlin, wo er sich mit Hochfrequenzspulen beschäftigte und eine Kapazitätsmeßbrücke erfand. Während des 1. Weltkriegs war er bei der Marine mit technischen Aufgaben (Peilstation zur Ortung von Luftschiffen, Erdtelegraphieapparate) betraut.
Nach dem Krieg führte V. mit →Joseph Massolle (1889–1957) und →Joseph (Jo) Benedikt Engl (1893–1942) bei „Dr. G. Seibt“ die ersten erfolgreichen Experimente zur Entwicklung des Lichttonfilm-Verfahrens durch. Im Okt. 1918 schlossen sich die drei zu einer Erfindergemeinschaft zusammen, die sie seit 1922 „Triergon“ nannten. Nach Patentstreitigkeiten mit Georg Seibt gründeten sie am 1. 7. 1919 das „Laboratorium für Kinematographie“ in Berlin. Bis 1925 schufen →Massolle, →Engl und V. die theoretischen und praktischen Grundlagen für den Tonfilm mit über 150 Patenten im In- und Ausland: Zur Aufnahme von Schall entwickelten sie das Kathodophon-Mikrophon, Tonfrequenzen verstärkten sie mit eigenen Verstärkerröhren und modulierten eine Tonaufzeichnungslampe (Ultrafrequenzlampe), die die Wechselströme des Verstärkers gemäß ihrem Schallrhythmus auf dem vorbeilaufenden Film schwärzt (Sprossenschrift). Für die Tonwiedergabe konstruierten sie eine photoelektrische Zelle, die den Ton auf den von ihnen eingeführten kombinierten Bildtonfilm lesen und mit eigens entwickelten Lautsprechern, Statophonen, wiedergeben konnte. 1921 produzierten Massolle, Engl und V. in ihrem Filmatelier Friedrichstraße kinogerechte Bildtonfilme, die sie am 17. 11. 1922 erstmalig im dt.sprachigen Raum im Berliner Kino „Alhambra“ vorstellten. Aufgrund fehlender Aufträge der Filmindustrie wurde 1923 der gesamte Erfindungskomplex an eine in der Schweiz neu gegründete „Triergon AG. Zürich“ verkauft. Massolle, Engl und V. arbeiteten in Berlin zwar an weiteren Tonfilmen, wie „Das Leben auf dem Dorfe“ (1924), lösten aber 1925 ihre Erfindergruppe auf. V.s Erfindungen und die der Triergon waren wegbereitend für die flächendeckende Einführung des Lichttonfilms 1930, blieben allerdings für V. ohne wirtschaftlichen Erfolg.
1926–33 unterhielt V. in Berlin eine Produktionsstätte, in der er ohne großen finanziellen Erfolg elektrostatische Lautsprecher entwickelte und Radioempfänger herstellte. V.s Erfindung einer neuartigen Hochfrequenzspule 1933 mit einem magnetischen Kern aus Eisenpulver, dem Ferrocart, führte zur Ausweitung des Geschäftsbetriebs. Zusätzlich zu seinem Berliner Betrieb, der im 2. Weltkrieg zerstört wurde, gründete V. 1942 das Werk in Erlau bei Passau und fertigte Produkte aus den Bereichen Pulvermetallurgie und Akkumulatorentechnik.
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Auszeichnungen
|Oskar-Meßter-Medaille d. Dt. Kinotechn. Ges., Berlin (mit J. Massolle u. J. Engl, 1934);
Dr. rer. nat. h. c. (Bonn 1952);
Verdienstkreuz am Bande (1952);
BVK 1. Kl. (1954);
Goldene Diesel-Medaille d. Dt. Erfinderverbands (1955);
Bayer. Verdienstorden (1959);
Ehrenmitgl. d. Dt. Kinotechn. Ges. (1960);
Filmband in Gold f. langj. u. erfolgreiches Wirken im Dt. Film (1963);
Gedenktafel am ehem. Kino „Alhambra“ (mit J. Massolle u. J. Engl, 1964);
Sonderschau im Dt. Mus. München (1970);
Ehrenmedaille d. Spitzenorganisation d. dt. Filmwirtsch. (1979);
Gedenktafel in Berlin, Babelsberger Str. 49 (mit J. Massolle u. J. Engl, 1996);
Gedenkstein d. Gde. Wurlitz;
Dr.-H.-V.-Filmpreis (seit 2012). -
Werke
|Theater, stummer u. sprechender Film, in: Berliner Tagebl. v. 31. 10. 1922;
Gesch. d. Tonfilms, ebd. v. 27. 7. 1929;
Die elektr. Schallaufnahme- u. -wiedergabemittel d. Triergon-Verfahren, in: VDI-Zs. 70, 1926, S. 199–204;
Die Schallwiedergabemittel d. Bildtonfilms, in: Filmtechnik, Kunst, Technik, Werk v. 27. 4. 1929, S. 202–05;
Über d. Triergon-Verfahren z. Herstellung v. Schallplatten unter Benutzung v. Tonfilmen, in: Die Kinotechnik 17, 1930, S. 385–88;
Über d. Einfluß d. Spaltbreite auf d. Abb.genauigkeit photograph. registrierter Tonfrequenzen, ebd. 17, 1930, S. 468–70;
Fünfzig J., 1940;
Die Erfindung d. Tonfilms, 1954 (P);
Die Erfindung d. Lichttonfilms, in: Abhh. u. Berr. d. Dt. Mus. 32, H. 2, 1964 (P);
– Schrr. unter Ps. u. a. Über d. Erlauer Lebensgeist, 1951;
Geheimnisvolles Krämpelstein, mit Bilddokk. versehener Tatsachenber. über ungewöhnl. u. rätselhafte Vorkommnisse in d. Umgebung v. Erlau, mit eigenen Augen gesehen u. wahrheitsgetreu beschrieben v. Chronisten, 1958;
Die ersten zwanzig J., 1960;
– Patente: Vorrichtung z. Aufz. v. Schallwellen, DE000000350705A, 1922 (mit J. Engl u. J. Massolle);
Vorrichtung z. synchronen Wiedergabe opt.-akust. Ereignisse, insbes. f. d. Zwecke d. Kinematogr., DE000000350706A, 1922 (mit dens.);
Vorrichtung z. Wiedergabe photograph. aufgenommener Laute auf opt.-elektr. Wege, DE000000350709A, 1922 (mit dens.);
Elektrostat. Lautsprecher, DE00000056409A, 1932;
Verfahren z. Herstellung v. Magnetkernen f. Hochfrequenzzwecke, DE000000675667A, 1939. -
Literatur
|Triergon, Der sprechende Film, 1924;
J. Engl, Der tönende Film, 1927;
ders., Akustik, in: Filmtechnik, Sonderh. Tonfilm, 1929, S. 179–81;
H.-J. Hahn, Der Tonfilm, Grundlagen u. Praxis seiner Aufnahme, Bearb. u. Vorführung, 1939;
H. Licht u. A. Narath, Physik u. Technik d. Tonfilms, 1941;
J. Massolle, Aus d. Kinderstube d. Tonfilms, in: Steglitz u. d. dt. Film, 1951, S. 45–47;
ders., Wie d. Ton z. Film entstand, in: Dt. Erfinderpost 7, 1951, S. 4–6;
K. Brodmerkel, Die Gesch. d. Triergon, in: Bild u. Ton, Hh. 5, 7, 9, 11, 12, 1953;
H. V. 80 J., Sonderdruck d. V.werke Erlau, 1970 (P);
H. V., Die Erfindung d. Tonfilms Triergon, Kat. d. Dt. Mus., 1970 (P);
J. Weber, in: Fernseh- u. Kino-Technik 1, 1980, S. 12;
H. Jossé, Die Entstehung d. Tonfilms, 1984;
J. Polzer, Aufstieg u. Untergang d. Tonfilms, 2001;
Lex. Elektrotechniker. -
Autor/in
Thomas Worschech -
Zitierweise
Worschech, Thomas, "Vogt, Hans" in: Neue Deutsche Biographie 27 (2020), S. 52-53 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118805622.html#ndbcontent