Lippl, Alois Johannes
- Lebensdaten
- 1903 – 1957
- Geburtsort
- München
- Sterbeort
- Gräfelfing bei München
- Beruf/Funktion
- Regisseur ; Schriftsteller ; Drehbuchautor
- Konfession
- katholisch
- Normdaten
- GND: 117044733 | OGND | VIAF: 69193021
- Namensvarianten
-
- Lippl, Alois Johannes
- Blondel vom Rosenhag
- Rosenhag, Blondel vom
- Vom Rosenhag, Blondel
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Lippl, Alois Johannes
Regisseur, Schriftsteller, * 22.6.1903 München, † 8.10.1957 Gräfelfing bei München. (katholisch)
-
Genealogie
V Alois (1877–1964), Bankbeamter, S d. Zimmermanns Alois aus Stolling b. Passau u. d. Josefa Aigringer;
M Maria (1879–1949), T d. Bauern Anton Ostermaier in Wolnzach (Holledau) u. d. Kordula Mair;
B →Eugen (* 1906), Abt.präs. d. Dt. Bundesbahn;
- ⚭ 1931 Barbara (1902–64), T d. Postoberinsp. Erhard Herrmann u. d. Elisabeth Müller;
2 S, 2 T. -
Biographie
L., dessen Kindheit bis zum 11. Lebensjahr von einer spinalen Lähmung überschattet wurde, kam über die kath. Jugendbewegung zum Laienspiel, dem er bald mit eigenen, selbstinszenierten Stücken, meist Mysterien-, Märchen- und bäuerlichen Volksschauspielen, weithin beachtete Anregungen gab. Mit 23 Jahren bereits führte der theaterbegeisterte Student der Literatur-, Kunst- und Musikgeschichte am Salzburger Festspielhaus Regie (Max Mells „Apostelspiel“) und arbeitete dann unter →Otto Falckenberg in München. Daneben erschloß er sich die neuen Medien Funk und Film, entwickelte seit 1928 ein lange Zeit gebräuchliches Synchronverfahren für Tonfilme und schrieb gleichzeitig Hörfolgen für den Münchener Rundfunk, der ihn 1932 als Oberspielleiter verpflichtete. L.s Regiearbeit, seine eigens für den Funk konzipierten Singspiele, vor allem aber seine erste Hörspiel-Komödie „Die Pfingstorgel“ (1933) wurden begeistert aufgenommen und bald auch an Theatern gespielt. In rascher Folge entstanden nun, insbesondere nach L.s Abschied vom „gleichgeschalteten“ Funkhaus 1935, zahlreiche Lustspiele und Moritaten um Sitte, Mut und Leidenschaft, unbeschwerte, pointenreiche Darstellungen bäuerlichen Lebens mit deftigen Hochzeitsfesten, Raufereien und Liebesszenen. „Der Passauer Wolf“ (1935) und „Der Holledauer Schimmel“ (1937) waren zugkräftige Bühnentitel über Jahrzehnte hinweg. In der Überzeugung, den Glauben an das Gute und Schöne bei seinen Mitmenschen wieder wachrufen zu müssen, übernahm der Schriftsteller L. nach Kriegsende repräsentative öffentliche Aufgaben. 1946-48 war er Präsident des Bayer. Landesjugendrings, 1949-53 Vorsitzender des Bayer. Rundfunkrats, vor allem aber seit 1948 als Nachfolger Paul Verhoevens Intendant des Bayer. Staatsschauspiels. Dem bodenständigen Theatermann blieb jedoch trotz voller Häuser der Vorwurf der Mittelmäßigkeit nicht erspart. Nachdem es deshalb 1952 zu Tumulten im Bayer. Landtag gekommen war, zog er sich 1953 zurück.
Dem Autor wie dem Intendanten L. geriet sein „Theater des Volkes“ mitunter allzu volkstümelnd. Die Schwankungen in seinem Schaffen und die Spannweite seiner lebenslangen Beschäftigung mit Herkunft, Wesen und Kultur alpenländischen Bauerntums spiegeln noch einmal die beiden in den letzten Lebensjahren entstandenen Romane: er bewegt sich mit ihnen zwischen einer differenziert komponierten Darstellung der Bavaria sancta (Der unverletzliche Spiegel, 1955) und Heimatseligkeit (Der Umweg ins Glück, 1956). Die Verwurzelung im Süddeutschen war Stärke und Begrenzung dieses produktiven und stets auf weitverzweigten Arbeitsfeldern agierenden Mannes, dem zu Lebzeiten eine Nachfolgegeltung in der Tradition Ludwig Anzengrubers und Ludwig Thomas attestiert wurde.
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Werke
Weitere W u. a. Der Ritter Unserer Lieben Frau, Ein Weihespiel, v. Blondel vom Rosenhag (Ps.) (1931);
Das Überlinger Münsterspiel, 1924;
Sommerlang, Reisebuch, 1926;
Das Spiel v. d. klugen u. törichten Jungfrauen, 1926;
Die Prinzessin auf d. Erbse, Märchenspiel, 1928;
Auferstehung, Schauspiel, 1931;
Schwefel, Baumöl u. Zichorie od. Die drei gefühlvollen Gewürzkrämer, Volksstück n. Nestroy, 1934;
Der Engel mit d. Saitenspiel, Komödie, 1938;
Das Schloß an d. Donau, Komödie, 1944;
Saldenreuther Weihnacht, Roman, 1954;
Ein Sprichwort im Mund wiegt 100 Pfund, Weisheit d. gemeinen Mannes in Sprüchen u. Reimen, 1958;
Ein bayer. Ehrenspiegel, Essays, 1978. - Filme:
Ehestreik, 1935;
Die vier letzten v. Santa Cruz, 1936;
Das Spiel auf d. Tenne, 1937;
Der Schimmelkrieg in d. Holledau, 1937;
Der Spieler, 1938;
Die Frau ohne Vergangenheit, 1938;
Die Pfingstorgel, 1938. - W-Verz.:
G. v. Wilpert u. A. Gühring, Erstausgg. dt. Dichtung, 1967;
Gesamtverz. dt.sprach. Schrifttums 81, 1978. -
Literatur
J. M. Wehner, Vom Glanz u. Leben dt. Bühne, Eine Münchner Dramaturgie, 1944, S. 409-16;
J. Schomerus-Wagner, Dt. kath. Dichter d. Gegenwart, 1950, S. 107;
A. Fink, in: gehört - gelesen, 4, 1957, H. 10, S. 884-86;
G. Lohmeier, A. J. L., in: A. Fink (Hrsg.), Das Komödie-Spielen, 1961, S. 242-60;
Kürschner, Lit.-Kal., Nekr. 1936-70;
Kindlers Lit.-Lex. VIII, S. 7425 (Die Pfingstorgel);
Kosch, Lit.-Lex. -
Autor/in
Rüdiger Bolz -
Zitierweise
Bolz, Rüdiger, "Lippl, Alois Johannes" in: Neue Deutsche Biographie 14 (1985), S. 665-666 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117044733.html#ndbcontent