Janitschek, Maria
- Lebensdaten
- 1859 – 1927
- Geburtsort
- Mödling bei Wien
- Sterbeort
- München
- Beruf/Funktion
- Schriftstellerin
- Konfession
- katholisch
- Normdaten
- GND: 117078719 | OGND | VIAF: 49993781
- Namensvarianten
-
- Tölk, Maria (geborene)
- Stein, Marius (Pseudonym)
- Janitschek, Maria
- Tölk, Maria (geborene)
- tölk, maria
- Stein, Marius (Pseudonym)
- stein, marius
- Janitschek, Marie
- Janitzschek, Maria
- Tölk, Maria
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Janitschek, Maria, geborene Tölk (Pseudonym Marius Stein)
Schriftstellerin, * 22.7.1859 Mödling bei Wien, † 4.5.1927 München. (katholisch)
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Genealogie
V unbek., angebl. poln. Abstammung;
M Anna Tölk, Näherin, Offizierswitwe;
⚭ Straßburg 1882 →Hubert Janitschek (1846–93), Prof., Museumskustos; kinderlos. -
Biographie
J. verbrachte ihre Kindheit in dürftigen Verhältnissen in Ungarn. Seit 1878 lebte sie in Graz, wo sie sich unter Pseudonym journalistisch betätigte. Seit 1882 lebte sie mit ihrem Gatten in Straßburg, seit 1892 in Leipzig, seit 1894 als Witwe in Berlin, seit 1902 in München.
Als Erzählerin nahm J. die Strömungen des Naturalismus und Symbolismus auf, war aber besonders in ihrer Epik der realistischen Generation verpflichtet. Sie hat eine Vorliebe für idealisierte, auf den Höhen des Lebens wandelnde Gestalten. Sie behandelt vor allem Stoffe der eigenen Zeit, mit denen sie subjektiv gesehene, zu starken Empfindungen und Leidenschaften fähige Heldinnen konfrontiert. Dabei gilt ihr Interesse vor allem der psychologischen Analyse der Frau in ihrer Zeitsituation, besonders der beginnenden Frauenemanzipation. Ihre Frauengestalten reifen in der Auseinandersetzung mit idealen Forderungen. Die seelische Entfaltung des Mädchens zur Frau und ihr Aufstieg in höhere soziale Sphären gehören zu den Lieblingsthemen ihrer Novellen und Romane. Unter den Gegenwartsstoffen wird die Künstlerwelt bevorzugt; von den Stimmungen der Dekadenz um die Jahrhundertwende ist J.s Werk ebenfalls berührt. In einigen späteren Romanen macht sie Konzessionen an eine breite Schicht von Unterhaltungslesern der Jahrhundertwende. Ihre Werke mit ihren oft übersteigerten Bildern und ihrer leidenschaftlichen Diktion sind heute kaum lesbar; doch sind sie als frühe literarische Dokumente der Frauenemanzipation bedeutsam.
In ihrer Lyrik bedient sich J. teils des Reims, teils freier Rhythmen. Auch hier hat sie eine Vorliebe für übersteigerte Diktion und kühne Metaphern. Eine starke, an Nietzsche gemahnende Lebensbejahung verbindet sie mit dem religiösen Bekenntnis zu Christus, mit der ästhetischen Anbetung des Edlen und Schönen. Dem Atheismus tritt sie entgegen. In balladenartigen Gedichten wird mit Vorliebe das Alte Testament stofflich ausgewertet. In autobiographischen Gedichten hat J. sich und ihre Herkunft stilisiert.
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Werke
Novellen u. ä.: Legenden u. Geschichten. 1885;
Lichthungrige Leute, 1892;
Pfadsucher, 1894;
Lilienzauber, 1895;
Harzreise, 1898;
Stille Gäste, 1912. -
Romane: Ninive, 1897;
Amazonenschlacht, 1897;
Ins Leben verirrt, 1898;
Die neue Eva, 1902;
Harter Sieg, 1903;
Mimikry, 1903;
Im Finstern, 1910;
Lustige Ehen, 1911;
Liebe, die siegt, 1914;
Die Sterne d. Herrn Ezelin, 1915;
Der rote Teufel, 1916. -
Gedichte: Irdische u. unird. Träume, 1889;
Ges. Gedichte, 1892;
Aus alten Zeiten, 1900. -
Literatur
I. Wernbacher, M. J., Persönlichkeit u. dichter. Werk, Diss. Wien 1949 (ungedr.);
M. Volsansky, Die Lyrik M. J.s, Diss. Wien 1951 (ungedr.);
Nagl-Zeidler-Castle (P);
Kosch, Lit.-Lex.;
Giebisch-Gugitz. -
Porträts
Radierung v. J. Lindner (Wien, Nat.bibl.).
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Autor/in
Heinz Rieder -
Zitierweise
Rieder, Heinz, "Janitschek, Maria" in: Neue Deutsche Biographie 10 (1974), S. 334 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117078719.html#ndbcontent