Bernhardi, August Ferdinand
- Lebensdaten
- 1769 oder 1770 – 1820
- Geburtsort
- Berlin
- Sterbeort
- Berlin
- Beruf/Funktion
- Sprachwissenschaftler ; Sprachphilosoph ; Dichter ; Gymnasialdirektor in Berlin ; Pädagoge ; Schriftsteller ; Philosoph ; Lyriker ; Linguist
- Konfession
- evangelisch
- Normdaten
- GND: 118656449 | OGND | VIAF: 120731339
- Namensvarianten
-
- Bernhardi, Johann Christian August Ferdinand
- Bernhardi, August Ferdinand
- Bernhardi, Johann Christian August Ferdinand
- Bernhardi, A. F.
- Bernhardi, Aug. Ferd.
- Bernhardi, August F.
- Bernhardi, F. A.
- Bernhardi, Johann C.
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Personen in der NDB Genealogie
Personen im NDB Artikel
- NDB 2 (1955), S. 121* (Bernhardi, Felix Theodor von)
- NDB 2 (1955), S. 122*
- NDB 2 (1955), S. 123* (Bernhardi, Sophie, geborene Tieck)
- NDB 26 (2016), S. 252* (Tieck, Johann Ludwig (Pseudonym Peter Lebrecht, Gottlieb Färber))
- NDB 26 (2016), S. 716 in Artikel Varnhagen von Ense, Karl ( Varnhagen von Ense Karl August Ludwig Philipp (bis 1811 Varnhagen) (Pseudonym August Becker))
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Bernhardi, Johann Christian August Ferdinand
Sprachphilosoph, * 24.6.1769 Berlin, † 2.6.1820 Berlin. (evangelisch)
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Genealogie
Die Stammreihe beginnt mit →Bartholomäus Bernhardi (1487–1551), dem 1. evangelischen Rektor der Universität Wittenberg und Propst von Kemberg (Sachsen);
V Johann Christian (1738–1815), Justizoberkommissar in Berlin, S des Johann Dietrich, Pfarrer und Inspektor des Waisenhauses Potsdam, und der Joh. Marie Leekeny;
M Christine Hilke aus Magdeburg;
⚭ 1799 →Sophie s. (4), geschieden 1807;
S Wilhelm Bernhardi (1800–78), Dr. phil., Schriftsteller, →Theodor von Bernhardi s. (1);
E →Friedrich, adoptiert von Friedrich von Bernhardi s. (2). -
Biographie
B. studierte in Halle bei →Friedrich August Wolf Philologie. 1791 trat er als Lehrer in das Werdersche Gymnasium in Berlin ein. Er wurde 1808 dessen Direktor, 1811 Privatdozent, 1816 Konsistorialrat und 1820 Direktor des Friedrich Wilhelm-Gymnasiums in Berlin. Durch seinen Schwager →Ludwig Tieck kam er in Berührung mit dem frühromantischen Kreis, für dessen Zeitschriften er Beiträge schrieb. Zusammen mit Tieck verfaßte B. die „Bambocciaden“ (3 Bände, 1797–1800), komisch-satirische Erzählungen ohne literarische Bedeutung. Sein Hauptwerk ist die „Sprachlehre“ (2 Bände, 1801–03). Hier faßt B. die sprachtheoretischen Erkenntnisse des 18. Jahrhunderts zu einem System zusammen und überträgt Begriffe Kants, →Schellings und vor allem der Wissenschaftslehre Fichtes auf die Sprachwissenschaft. Aufgabe der Sprache ist für ihn die „Darstellung des Verstandes“. Auf dieser Grundlage gibt er eine auf logische Kategorien fundierte allgemeine Grammatik, eine Sprachursprungstheorie, eine sprachästhetisch begründete Stilistik und eine philosophische Deutung des metaphorischen Charakters der Sprache. Damit regte B. besonders August Wilhelm Schlegel und →Wilhelm von Humboldt an. In zahlreichen Schulprogrammen legte er seine Gedanken zur pädagogischen Reformbewegung des beginnenden 19. Jahrhunderts nieder.
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Werke
Weitere W Neue Märk. lat. Grammatik, 1795;
Neue Märk. griech. Grammatik, 1797;
Anfangsgründe d. Sprachwiss., 1805;
Üb. d. Philoktet d. Sophokles, 1811;
Ansichten üb. d. Organisation d. gelehrten Schulen, 1818;
Reliquien, Erzählungen u. Dichtungen v. A. F. B. u. Sophie B., hrsg. v. W. Bernhardi, 3 Bde., 1847;
beteiligt an Varnhagen v. Ense, Die Versuche u. Hindernisse Karls, 1808;
Kynosarges, 1802 (Zs., nur 1 Stück erschienen). -
Literatur
H. Hettner, in: ADB II;
A. Ehrenfeld, Stud. z. Theorie d. Reims, 1897;
W. Bodenstein, Üb. d. Einfluß d. Abh. „Üb. d. Ursprung d. Sprache“ v. J. G. Herder auf Adelung u. B., Diss. Wien 1906 (ungedr.);
E. Spranger, W. v. Humboldt u. d. Reform d. Bildungswesens, 1910;
J. Braeuer, A. F. B., d. Sprachphilosoph d. älteren Romantik, Diss. Breslau 1921 (ungedr.);
M. Blücher, A. F. B.s Leben u. Schrr., Diss. Greifswald 1923 (ungedr.);
W. Horstmann, A. F. B. als Pädagoge, 1926;
H. Rogge, Der Doppelroman d. Berliner Romantik, 2 Bde., 1926;
E. Fiesel, Die Sprachphilos. d. dt. Romantik, 1927;
F. Kainz, A. F. B.s Btr. z. dt. Stilistik, in: ZDP 63, 1939, S. 1-44;
Goedeke VI, S. 45 f. (W-Verz.);
Frels, 1934, S. 23. -
Autor/in
Gerhard Burckhardt -
Zitierweise
Burckhardt, Gerhard, "Bernhardi, August Ferdinand" in: Neue Deutsche Biographie 2 (1955), S. 122-123 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118656449.html#ndbcontent
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Bernhardi, August Ferdinand
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Biographie
Bernhardi: August Ferdinand B., am 24. Juni 1770 zu Berlin geboren, war ein verdienstvoller Berliner Schulmann aus der Schule F. A. Wolfs, Meierotto's und Gedike's. Er war seit 1808 Director des Werder’schen, in den letzten Jahren Er starb am 2. Juni 1820. Durch seine „Sprachlehre“ (erster Theil 1801, zweiter Theil 1803), welche die grammatischen Anschauungen F. A. Wolfs auf der Grundlage der Fichte’schen Wissenschaftslehre zu begründen und fortzubilden suchte, ist er ein Bahnbrecher der neueren Sprachwissenschaft geworden. In den weiteren Kreisen aber ist er|besonders durch seine Verbindungen mit den Häuptern der romantischen Schule bekannt. Zuerst der Lehrer Ludwig Tieck's, wurde er später dessen Schüler und Nachahmer. Er nahm nicht nur am Athenäum und an A. W. Schlegel's und Tieck's Musenalmanach Antheil, sondern er dichtete auch Dramen und Erzählungen, obgleich ihm jede tiefere dichterische Gestaltungskraft versagt war. Sein bekanntestes Werk dieser Art sind die „Bambocciaden“ (3 Bde. 1797—1800), satirische Schnurren, dürftig in der Erfindung, aber von sorgfältiger, oft boshafter Kleinmalerei des Berliner Gesellschafts- und Litteraturlebens. Im J. 1838 erschienen „Reliquien von A. F. Bernhardi und dessen Gattin Sophie Bernhardi, geb. Tieck. Erzählungen und Dichtungen, herausgegeben von Wilhelm Bernhardi, mit einem Vorwort von Varnhagen von Ense“. (Vgl. Hettner, Romantische Schule.)
Sophie Bernhardi, 1775 in Berlin geboren, war die Schwester Ludwig und Friedrich Tieck's. Sie heirathete 1799 Ludwig Tieck's Jugendfreund August Ferdinand Bernhardi, wurde aber von diesem schon 1803 geschieden. Darauf lebte sie mit ihren Brüdern eine Zeit lang in München und in Rom. Im J. 1810 verheirathete sie sich zum zweiten Mal mit einem Herrn von Knorring, einem livländischen Gutsbesitzer. Im J. 1833 starb sie. Durch ihren Bruder Ludwig war sie früh in die Litteratur eingeführt. Sie betheiligte sich nicht nur lebhaft an den Zeitschriften der Romantiker, sondern versuchte sich auch in eigenen größeren Dichtungen; doch kommt sie nirgends über gefühlsschwelgerische weibliche Anempfindung hinaus. „Wunderbilder und Träume in elf Märchen“ (1802); „Flore und Blancheflur“, bereits 1805 begonnen, aber erst 1812 von A. W. Schlegel herausgegeben, und ein nach ihrem Tode von L. Tieck herausgegebener Roman „Evremont“ (1836).
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Autor/in
Hettner. -
Zitierweise
Hettner, Hermann, "Bernhardi, August Ferdinand" in: Allgemeine Deutsche Biographie 2 (1875), S. 458-459 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118656449.html#adbcontent