Ziegler, Leopold

Dates of Life
1881 – 1958
Place of birth
Karlsruhe
Place of death
Überlingen/Bodensee
Occupation
Philosoph ; Religionswissenschaftler
Religious Denomination
katholisch
Authority Data
GND: 118636782 | OGND | VIAF: 51913393
Alternate Names

  • Ziegler, Claudius Karl Leopold
  • Ziegler, Leopold
  • Ziegler, Claudius Karl Leopold
  • Ziegler, Leopold Carl Claudius
  • Ziegler, Claudius Carl Leopold
  • Ziegler, Leopold Karl Claudius

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Citation

Ziegler, Leopold, Index entry in: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118636782.html [10.01.2026].

CC0

  • Ziegler, Claudius Karl Leopold

    | Philosoph, Religionswissenschaftler, * 30.4.1881 Karlsruhe, † 25.11.1958 Überlingen/Bodensee, ⚰ Überlingen/Bodensee. (katholisch)

  • Genealogy

    Aus bad. Kaufm.fam.;
    V (Karl) Leopold (1849–1893), aus Weil der Stadt, Vergolder, Kaufm. in K., S d. Johann Baptist ( v. 1880), Vergolder in K., u. d. Barbara Gaudy ( n. 1880, ev.);
    M Magdalena (Lenchen) (1856–1936), T d. Georg Weiß ( n. 1880), ghzgl. Hofoffiziant in K., u. d. Luise Bleick;
    1 Schw (früh †);
    Karlsruhe 1908 Johanna (1879–1940, ev.), T d. Karl Friedrich Keim (1852–1923), aus Bad Dürkheim, klass. Philol., 1902–14 Dir. d. Höheren Mädchenschule mit Mädchengymn. in K., 1904–12 Vors. d. Ver. akad. gebildeter Lehrer in Baden (1907 Bad. Philol.ver.), 1914–19 Geh. Oberreg.rat u. Vortragender Rat im bad. Min. d. Kultus u. Unterr., Prof., Dr. phil. h. c. (Heidelberg 1919) (s. Bad. Biogrr. NF V), u. d. Johanna Lepique (1857 – v. 1908);
    kinderlos;
    Gvv d. Ehefrau Karl Friedrich Jakob Ludwig Keim (1825–1912), ev. Pfarrer in Ludwigshafen/Rhein.

  • Biography

    Z. wuchs in Karlsruhe auf, wo er das humanistische Gymnasium und die Oberrealschule besuchte. Noch vor dem Abitur 1900 hörte er an der TH Karlsruhe Vorlesungen von Arthur Drews (1865–1935) über Eduard v. Hartmann (1842–1906). 1902 immatrikulierte sich Z. für Philosophie an der Univ. Heidelberg und hörte hier Kuno Fischer (1824–1907) und Wilhelm Windelband (1848–1915). 1905 nach Jena gewechselt, wurde er noch im selben Jahr bei Rudolf Eucken (1846–1926) und Ernst Haeckel (1834–1919) mit der Dissertation „Der abendländische Rationalismus und der Eros“ (gedr. 1905) zum Dr. phil. promoviert. Aufgrund einer Tuberkuloseerkrankung 1907 und nach Ablehnung seiner Habilitation in Freiburg (Br.) 1910 entschloß sich Z., Privatgelehrter zu bleiben. Krankheitsbedingt vom Kriegsdienst befreit, verfolgte er das Geschehen distanziert und entwickelte Ideen für eine geistige Erneuerung Deutschlands in Bildung und Wirtschaft.

    Aus wirtschaftlichen Erwägungen übersiedelte Z. 1918 nach Doberatsweiler/Bodensee und 1925 durch Vermittlung seines Mäzens, des thür. Druckereibesitzers Paul Schertling (1889–1959), nach Überlingen. In dieser Zeit erschien sein bekanntestes Werk „Gestaltwandel der Götter“ (2 Bde., 1920), dessen Thematik Z.s gesamtes weiteres Schaffen durchzieht: die Darstellung des religiösen Bewußtseins mit dem Ziel einer „Religion ohne Gott“, um das verloren gegangene Heilige wiederzugewinnen. In „Überlieferung“ (1936) gelangte er zu der Auffassung, daß allen Religionen eine Uroffenbarung zugrunde liege und alle „wahr“ seien, ähnlich in „Apollons letzte Epiphanie“ (1937), wo Z. Religion und Kunst als eine Vergegenwärtigung des Ewigen ansah.

    Durch den Tod seiner Frau und fortschreitende Erblindung seelisch belastet, zog sich Z. in der Zeit des NS-Regimes, dem er von Anfang an distanziert gegenüberstand, allmählich aus der Öffentlichkeit zurück. Seine offene Gegnerschaft war auch Grund für Z.s zeitweilige Aufenthalte bei Schweizer Freunden während des Kriegs. Erst 1948 erschien sein drittes Hauptwerk „Menschwerdung“, in dem er die sieben Bitten des „Vaterunser“ behandelte und mit dem er sich in die Tradition von Jakob Böhme (1575–1624), Franz v. Baader (1765–1841) und Søren Kierkegaard (1813–1855) einreihte. In seinem letzten Werk „Das Lehrgespräch vom Allgemeinen Menschen“ (1956), der Summe seines Denkens, entwarf Z. eine Christologie, die nur aus dem Ursprung der Überlieferungen vorstellbar ist und den „Ewigkeitscharakter“ des Menschen aufzeigt.

    Großen Einfluß auf Z.s Denken hatten seine Künstlerfreunde Karl Hofer (1878–1955) und Karl Albiker (1878–1961). Bemerkenswert sind Z.s ausgedehntes Denkfeld und umfangreiche Kenntnisse in allen Sparten der Geisteswissenschaften, die in seinem Werk Niederschlag fanden und viele Bereiche theologischen, kulturellen, philosophischen und wirtschaftlichen Lebens berührten. Z.s Schaffen war stets auch auf das Zeitgeschehen bezogen. Zur Pflege von Werk und Andenken Z.s|gründete der frühere hess. Kultus- und Justizminister Erwin Stein (1903–1992) 1960 die L.-Z.-Stiftung in Überlingen, die die Veröffentlichung der „Gesammelten Werke“ (10 Bde. geplant, seit 2001) betreibt.

    Z. beeinflußte namhafte Denker und Dichter, was sich in seinem Briefwechsel u. a. mit Paul Ernst (1866–1933), Reinhold Schneider (1903–1958), Ernst Benz (1907–1978), Rudolf Pannwitz (1881–1969), Hermann Gf. Keyserling (1880–1946) und Walter Heinrich (1902–1984) widerspiegelt. Philosophen wie Peter Sloterdijk (* 1947) und Rüdiger Safransky (* 1945) bezogen sich auf sein Werk.

  • Awards

    |Nietzsche-Preis (1920);
    Goethepreis d. Stadt Frankfurt/M. (1929, n. St. George u. A. Schweitzer), Dr. h. c. theol. (Marburg 1951);
    Tit.prof. (Freiburg/Br., 1951);
    Gottfried Keller-Preis (1951);
    Gr. BVK (1956);
    Bodensee-Lit.preis d. Stadt Überlingen (1956);
    Ehrengabe d. Kulturkreises d. dt. Wirtsch. (1956).

  • Works

    |u. a. Vom Wesen d. Kultur, 1903;
    Florentin. Introduktion, 1911;
    Der dt. Mensch, 1915;
    Volk, Staat u. Persönlichkeit, 1917;
    Der Ewige Buddho, 1922;
    Das Hl. Reich der Deutschen, 2 Bde., 1925;
    Zw. Mensch u. Wirtsch., 1927;
    Magna Charta e. Schule, 1928;
    Von Platons Staatheit z. christl. Staat, 1948;
    Die neue Wiss., Universitas aeterna, 1951;
    Spätlese eigener Hand, 1953;
    Briefe: Reinhold Schneider, L. Z., Briefwechsel, hg. v. E. Stein im Auftrag d. L. Z. Stiftung,1960 (P);
    Briefe 1901–1958, 1963;
    Georg v. Lukács, Heidelberger Ästhetik, Auf d. Weg z. „Theorie d. Romans“, Briefwechsel L. Z. u. Georg v. Lukacs, hg. v. H. Schmidt-Bergmann, 2010;
    Autobiogr. in: Die dt. Philos. in Selbstdarst., hg. v. R. Schmidt, Bd. 4, 1923, S. 163 ff.;
    W-, Qu- u. L-Verz.: (Homepage d. L.-Z.-Stiftung);
    Nachlaß: L.-Z.-Stiftung, Überlingen;
    Bad. Landesbibl., Karlsruhe (enthält u. a. Z.s Bibl. u. Totenmaske).

  • Literature

    |Dienst an der Welt, Zur Einf. in d. Philos. L. Z.s, 1925 (Autobiogr., S. 44–224);
    E. Benz, Das Bild d. Allg. Menschen in d. Rel.philos. L. Z.s, 1960;
    ders. u. a., Denker d. erinnernden Urwissens, Deuter d. Weltsinnes, Weg-Weiser in d. Zukunft, 1981;
    Zs. f. Ganzheitsforsch. 7, 1963, H. 3 (Sonderh. L. Z.);
    D. Kamper, Die Anthropol. L. Z.s, Diss. phil. München 1964;
    Kairos, Zs. f. Rel.wiss. u. Theol. 10, 1968, H. 4 (Sonderh. L. Z.);
    H. Mislin, Zum zehnten Todestag L. Z.s, 1968;
    M. Schneider-Fassbaender, L. Z., Leben u. Werk, 1978 (P);
    Bad. Landesbibl. (Hg.), L. Z., Leben u. Werk in Dok., 1978 (P);
    E. Benz u. a., L. Z., Denker d. erinnernden Urwissens, 1981 (P);
    P. Wall, (Hg.), L. Z., Weltzerfall u. Menschwerdung, 2001;
    ders (Hg.), Mythos, Logos, integrale Tradition, Btrr. z. Werk L. Z.s aus Anlaß seines 50. Todestages, 2008;
    M. Jongen, Nichtvergessenheit, Tradition u. Wahrheit im transhist. Äon, Umrisse e. hermet. Gegenwartsdeutung im Anschluss an zentrale Motive b. L. Z. u. Peter Sloterdijk, Diss. phil. Karlsruhe 2009;
    T. Kölling, L. Z., Eine Schlüsselfigur im Umkreis d. Denkens v. Ernst u. Friedrich Georg Jünger, 2009 (P);
    ders., L. Z., Philosoph d. letzten Dinge, Eine Werkgesch. 1901–1958, 2017;
    Bad. Biogrr. NF 2;
    BBKL 14 (W, L);
    Lex. Konservatismus;
    Killy²;
    Kosch, Lit.-Lex.³ (W, L).

  • Portraits

    |Totenmaske, 1958, u. Gem. „L. Z. in jungen J.“ v. K. Hofer (beides Bad. Landesbibl. Karlsruhe), Photogr. dieses Gem. v. L. Holderer, Abb. in: Schneider-Fassbaender, 1978 (s. L).

  • Author

    Paulus Wall
  • Citation

    Wall, Paulus, "Ziegler, Claudius Karl Leopold" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 683-684 [online version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118636782.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA