Klatt, Fritz
- Lebensdaten
- 1888 – 1945
- Geburtsort
- Berlin
- Sterbeort
- Wien
- Beruf/Funktion
- Pädagoge ; Pädagoge ; Philosoph
- Konfession
- keine Angabe
- Normdaten
- GND: 116205938 | OGND | VIAF: 17350484
- Namensvarianten
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- Klatt, Fritz
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Klatt, Fritz
Pädagoge, * 22.5.1888 Berlin, † 28.7.1945 Wien.
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Genealogie
V →Johannes (1852–1903), Kustos an d. Kgl. Bibl. in B., Sanskritforscher, S d. Michael in Filehne u. d. Caroline Wilhelmine Fiedler;
M Margarete (1861–1928), T d. Albert Patzig u. d. Joh. Auguste Sprenger;
B →Albert (1892-1970), Maler, Professor an der Hochschule für bildende Künste, Charlottenburg;
- ⚭ 1) (⚮) Edith Mischke, Ärztin, 2) 1939 Elisabeth C. R. Wendt;
1 S, 1 T aus 1), 2 T aus 2). -
Biographie
Nach dem Studium von Geschichte, Pädagogik und Philosophie in Berlin wurde K. als eine der führenden Persönlichkeiten der Jugendbewegung in den 20er Jahren vor allem in der Erwachsenenbildung und Freizeitgestaltung tätig (Hauptschaffensperiode 1919–33). K. war Leiter des 1921 von ihm gegründeten Volksschulheims in Prerow auf dem Darß (Ostseehalbinsel in Pommern), das 1933 von der NSDAP geschlossen wurde. 1931 wurde er als Professor an die Pädagogische Akademie in Hamburg-Altona berufen. Geprägt durch Jugendbewegung und Studium – hier besonders durch sein enges Verhältnis zu Kurt Breysig – sowie durch den 1. Weltkrieg, bemüht sich K. beim Wiederaufbau des Volkes in erster Linie um den einzelnen Menschen und seine Erziehung. Die traditionelle Auffassung von Schule lehnt er wegen ihrer Überschätzung der Wissensstoffe ab. Dem allgemeinen Schulzwang, der lediglich auf Gewöhnung und|Gehorsam beruht, stellt er die „schöpferische Erziehung“ gegenüber: Erziehung soll nur hervorrufen, was schon im Menschen liegt. Der Erzieher muß warten, pflegen, locken, er darf nichts forcieren. Die treibende Kraft im erzieherischen Verhältnis von Lehrer und Schüler ist die Liebe zum Kind und zum Menschen (Bedeutung der Erzieherpersönlichkeit). Die Bildung muß den Menschen in seinem ganzen Wesen treffen und von den Bedürfnissen jedes einzelnen ausgehen, um die Grundlagen für den Aufbau des Lebens und die Einordnung und Mitwirkung in der Gemeinschaft zu schaffen. Große Bedeutung mißt K. der Arbeitsgemeinschaft bei. Er fordert „Berufsoberschulen“ und „Freizeithochschulen“, die frei von staatlichem, kirchlichem und parteipolitischem Zwang und lediglich auf Gestaltung der Freizeit gerichtet sind. Freizeit bedeutet für K. nicht zur Erholung, sondern ist Besinnungszeit des Menschen zum Aufbau des Selbst: Bildung als Bewußtmachung und Bewältigung der Spannung von Arbeit und Leben; Regeneration der gestalterischen Kräfte durch planmäßige Freizeitgestaltung. Aus diesen Grundgedanken leitet K. seine Forderungen für die Jugend- und Erwachsenenbildung im einzelnen ab. Die Erziehung hat die Aufgabe, dem Menschen zur Wiederentdeckung seines Eigenrhythmus, zur Erfüllung seines gegenwärtigen Lebens zu verhelfen. Das bedeutet eine Auflockerung des Unterrichts und der Allgemeinerziehung. Die Körperbildung auf der Grundlage der Rhythmenlehre, Gymnastik, Turnen, Sport und Tanz als Entfaltungsmöglichkeiten des Körpers gewinnen somit Bedeutung in der Gesamterziehung. Besonderes Gewicht legt K. außerdem auf die Ausdrucksmöglichkeit der Sprache.
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Werke
u. a. Die schöpfer. Pause, 1921, 28.-31. Tsd., 1952;
Ja, Nein u. Trotzdem, Ges. Aufsätze, 1924;
Das Gegenspiel, 1925;
Freizeitgestaltung, 1929;
Beruf u. Bildung, 1929;
Die Geistige Wendung im Maschinen-Za., 1930;
Lebensmächte, 1939, 1941, 1943;
Griech. Erbe, 1943;
Sprache u. Verantwortung, 1960;
Biograph. Aufzeichnungen, hrsg. v. L. Klatt u. G. Schulz, 1965 (P);
Beruf u. Bildung, Ausgew. päd. Schrr., bes. v. H. Lorenzen, 1966 (P);
Aufzeichnungen u. Briefe n. Berlin, 1970. -
Literatur
G. Schulz, F. K. Erinnerungen, in: Berliner Arb.bll. f. d. Volkshochschule, 1959, H. 8, S. 37-43.
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Autor/in
Winfried Böhm -
Zitierweise
Böhm, Winfried, "Klatt, Fritz" in: Neue Deutsche Biographie 11 (1977), S. 710-711 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116205938.html#ndbcontent