Siebeck, Wolfram
- Lebensdaten
- 1928 – 2016
- Geburtsort
- Duisburg
- Sterbeort
- Lahr (Schwarzwald)
- Beruf/Funktion
- Gastronomiekritiker ; Publizist ; Illustrator ; Journalist ; Schriftsteller
- Konfession
- evangelisch, später konfessionslos
- Normdaten
- GND: 119088983 | OGND | VIAF: 3272990
- Namensvarianten
-
- Siebeck, Wolfram Herbert
- Siebeck, Wolfram
- Siebeck, Wolfram Herbert
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Siebeck, Wolfram Herbert
1928 – 2016
Gastronomiekritiker, Publizist, Illustrator, Journalist
Wolfram Siebeck erlangte seit den 1970er Jahren den Status eines führenden Gastronomiekritikers der Bundesrepublik. Er votierte für eine Verbesserung des kulinarischen Klimas in Deutschland nach französischem Vorbild. Neben der qualitätsorientierten Alltagsküche plädierte Siebeck für eine exquisite und kreative Küche mit perfektionierter Qualität sowie für eine gepflegte und genussvolle Tafelkultur.
Lebensdaten
Geboren am 19. September 1928 in Duisburg Gestorben am 7. Juli 2016 in Lahr (Schwarzwald) Grabstätte Burg Mahlberg in Mahlberg (Baden-Württemberg) Konfession evangelisch, später konfessionslos Wolfram Siebeck, Imago Images (InC) -
Autor/in
→Josef Matzerath (Dresden)
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Zitierweise
Matzerath, Josef, „Siebeck, Wolfram“ in: NDB-online, veröffentlicht am 01.04.2025, URL: https://www.deutsche-biographie.de/119088983.html#dbocontent

Siebeck besuchte die Volksschule in Essen und die Bismarckschule, eine staatliche Oberschule für Jungen, in Bochum. Seit Januar 1944 leistete er Kriegsdienst als Flakhelfer und wurde in den letzten Monaten des Zweiten Weltkriegs im Odergebiet gegen die vorrückende Rote Armee eingesetzt. Bei Kriegsende verhaftet, war Siebeck bis Juni 1945 Kriegsgefangener in Boizenburg an der Elbe und auf der Insel Fehmarn. Anschließend wechselten sich Gelegenheitsarbeiten als Gärtner und Schildermaler in Bochum mit Phasen von Arbeitslosigkeit ab, ehe Siebeck seit 1948 als Illustrator und Pressezeichner tätig wurde. Von 1952 bis 1954 absolvierte er eine Ausbildung zum Gebrauchsgrafiker an der Werkkunstschule Wuppertal und fand danach eine Anstellung als Illustrator bei der von Erich Brost (1903–1995) geführten „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“ (WAZ), an deren Feuilleton kurz zuvor der mit ihm befreundete Michael Lentz (1926–2001) gewechselt war.
Durch Aufträge der WAZ und anderer in Nordrhein-Westfalen verbreiteter Zeitungen, darunter der „Kölner Stadt-Anzeiger“ und die „Neue Ruhrzeitung“, etablierte sich Siebeck als Journalist, der u. a. von Filmfestivals berichtete und Theaterkritiken verfasste. In der zweiten Hälfte der 1960er Jahre schrieb er eine Kolumne auf den Humorseiten der auflagestarken Illustrierten „Stern“ sowie der Wochenzeitung „Die Zeit“. Er fand hier zu einem unterhaltsam-pointierten Ton, der auch seine Gastronomiekritiken kennzeichnet, die er seit 1970 für den Reiseteil bzw. für „Modernes Leben“ der „Zeit“ sowie seit 1978 als Kolumnist des „Zeit-Magazins“ verfasste. Als Vorbild dienten ihm hierbei die kulinarischen Kritiken des von ihm verehrten Journalisten Joseph Wechsberg (1907–1983).
Siebecks kulinarische Ästhetik orientierte sich an der Küche Fernand Points (1897–1955), bei dessen Schüler Pierre Gaertner (geb. 1921) er 1967 einen Kochkurs besucht und die Konzentration auf das Wesentliche des Kulinarischen kennengelernt hatte: Nicht die Optik eines dekorierten Tellers solle überzeugen, sondern die Güte des Grundprodukts, aus dem eine Speise v. a. besteht, solle sichtbar sein. Relevanz habe auch die kulinarische Komposition; eine Vielzahl von Beilagen (Komponenten) auf dem Teller sei der Konzentration auf die zentrale Zutat eines Gerichts eher abträglich. Für Saucen, die den Genuss des zentralen Produkts eines Gerichts intensivieren und nuancieren sollen, forderte Siebeck stets höchste Qualität und lehnte Mehlschwitzen als bloße Sattmacher ab. Aus der Nouvelle Cuisine, die Siebeck Anfang der 1970er Jahre kennen lernte und mit Klaus Besser (1919–1995) und Gert von Paczensky (1925–2014) in der Bundesrepublik popularisierte, übernahm er die Maxime kurzer Garzeiten, um produkttypische Aromen zu bewahren.
Menüs sollten nach Siebecks Ansicht als Spannungsbogen mit einem Höhepunkt konzipiert sein. Obwohl Siebeck seine kulinarisch-ästhetischen Positionen durchgängig beibehielt, zeigte er sich offen für neue Trends, die dem entgegenliefen. So machte er Mitte der 1990er Jahre etwa Ferran Adrià (geb. 1962), den zentralen Vertreter der sog. Molekularküche, in Deutschland bekannt, obwohl dessen Menüs vom Konzept der klassischen europäischen Speisefolge abweichen, seine Gerichte nicht mit herkömmlicher Kochtechnik komponiert sind und nicht der traditionellen Tellergestaltung entsprechen.
Als Getränk zu einem Menü kam für Siebeck nur Wein infrage. In den 1970er Jahren präferierte er französische Weine, da die deutschen Winzer durch Massenproduktion und Fokussierung auf die Süße ihrer Weine mehrheitlich auf aromatisch nuancierte Qualität verzichtet hatten. Als sich seit Mitte der 1980er Jahre eine Renaissance bundesdeutscher Weine abzeichnete, unterstützte Siebeck diese Entwicklung und plädierte für durchgegorene oder trocken Weine aus alten Rebsorten. Seinen eigenen Keller bestückte er u. a. mit Riesling von Mosel-Saar-Ruwer, Frankenwein, Weiß- und Blauburgunder vom Kaiserstuhl, aber auch mit Weinen aus dem Elsass, Burgund und Bordeaux.
Siebeck war kein Vertreter kalorienbewusster Ernährung und stand als hedonistischer Gourmet für die Freiheit des kulinarischen Genusses. Um das anspruchsvolle Speisen zu befördern, publizierte er im „Zeit-Magazin“ seit 1978 auch Weihnachtsmenüs, die breit in der bundesrepublikanischen Gesellschaft rezipiert und nachgekocht wurden. Siebecks erstmals 1976 publizierte „Kochschule für Anspruchsvolle“ hielt sich bis in die 2000er Jahre als Grundlagenwerk. Eines der zentralen Anliegen Siebecks war die Demokratisierung des kulinarischen Genusses; die Deutschen der Wohlstandsgesellschaft sollten auch im Alltag gut und genussvoll essen. Der Bereitschaft, kulinarisches Glück zu erleben, verschaffte Siebeck in Westdeutschland breite gesellschaftliche Akzeptanz. In der DDR und den Neuen Bundesländern blieb sein Einfluss eher gering.
1983 | Silbermedaille der Gastronomischen Akademie Deutschlands |
1985 | Ehrenpreis „Der goldene Becher“ des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (DEHOGA) |
1989 | Silbermedaille der Gastronomischen Akademie Deutschlands |
1991 | Chevalier du Mérite agricole |
1993 | Officier du Mérite agricole |
2003 | Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland |
2007 | Goldenes Verdienstzeichen des Landes Wien |
Nachlass:
Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden, Mscr.Dresd.App.3303. (weiterführende Informationen)
Weitere Archivmaterialien:
Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden, Sammlung Wolfgang Lechner. (weiterführende Informationen)
Lady Chatterleys Füße u. a. Eine Monographie des Fußes. Selbstzeugnisse, Photos, Zeichnungen, 1961.
Gewusst wie und sechsundvierzig andere Satiren, 1970.
Klappe zu, Affe tot und 108 andere komische Geschichten, 1973, Taschenbuchausg. 1977, 21978.
Wolfram Siebecks Kochschule für Anspruchsvolle, 1976, Taschenbuchausg. 1979, 91990, Neuausg. 2002.
Wolfram Siebecks beste Geschichten, 1977, Taschenbuchausg. 1979.
Kulinarische Notizen, 1980, Taschenbuchausg. 1982, Neuausg. 1993.
Sonntag in deutschen Töpfen. 303 Rezepte aus Privatküchen, 1982, Taschenbuchausg. 1987, Neuausg. 1992.
Kochen bis aufs Messer. Ein Seminar, 1982, Taschenbuchausg. 1984, 41990.
Aller Anfang ist leicht. Ein Kochseminar, 1983, Taschenbuchausg. 1986, 21989.
Eine Prise Süden. Das neue Kochseminar, 1984, 21985, Neuausg. u. d. T. Eine Prise Süden. Ein Kochseminar der mediterranen Küche 1989, 31995.
Liebe auf den ersten Biss. Neue kulinarische Notizen, 1985, 21985.
Nicht nur Kraut & Rüben. Ein Kochseminar deutscher Spezialitäten, 1985, 21990.
Vorsicht, bissiger Hummer! Szenen, Geschichten, Satiren, 1986.
Wenn Madame den Deckel hebt. Ein Kochseminar der bürgerlichen französischen Küche, 1986, 21994.
Frisch gewürzt ist halb gewonnen. Ein Kochseminar über die Kunst des Würzens, 1987, 31995.
Die schönsten und besten Bistros von Paris. Mit über 90 Rezepten, 2 Bde., 1988/90, Neuausg. 1993.
Die Feinschmecker-Kochschule, 1989.
Das leckere Dutzend. 12 leichte Menüs für Feinschmecker, 1989.
Die Weinstuben des Elsaß. Mit 40 Rezepten, 1991, 51997.
Das Haar in der Suppe hab’ ich nicht bestellt. Erinnerungen eines Berufsessers, 1992, Taschenbuchausg. 1996. (P) (Autobiografie)
Die Rosine im Kuchen. Über Küchen und Köche, Städte und Landschaften, den Wein und den Zeitgeist, 1994, Taschenbuchausg. 1996.
Ich kochte das „Dinner for One“, 1995, 21998.
Die Beisln von Wien. Mit über 30 Rezepten und Bewertung von Küche und Ambiente, 1995, Neuausg. 1999.
Die Kaffeehäuser von Wien. Eine Melange aus Mythos und Schmäh, 1996.
Alle meine Rezepte. Das Kochbuch der verfeinerten bürgerlichen Küche, 2002, 32004.
Wolfram Siebeck/Barbara Siebeck, Barbaras Garten, 2003.
Siebecks deutsche Klassiker. 10 Spitzenköche zu Gast, 2005.
Die Deutschen und ihre Küche, 2007, Taschenbuchausg. 2008.
Das Kochbuch der verpönten Küche, 2008.
Siebecks Seitenhiebe. Aus dem Leben eines Berufsessers, 2008. (Aufsatzsammlung)
Wolfram Siebeck isst unterwegs. Kulinarische Abenteuer. 2011.
Wolfram Siebeck/Josef Matzerath/Georg W. Schenk, Hofmenüs für heute. Rezepte vom Dresdner Hof. Zubereitet von sächsischen Köchen und Patissiers, 2013.
Über den Tellerrand hinaus. Essenzen eines Jahrhundertgourmets. Mit einem Vorwort v. Eckart Witzigmann, 2018.
Sabine M. Müller/Wolfgang Lechner (Red.), Wolfram Siebecks Weihnachtsmenüs, 2020.
Ohne Reue und Rezept. Mein Leben für den guten Geschmack. Mit Nachworten v. Barbara Siebeck u. Vincent Klink, 2024. (P) (Autobiografie)
Gero von Boehm, Wolfram Siebeck, in: ders., Begegnungen. Menschenbilder aus drei Jahrzehnten, 2012, S. 469–476.
Christoph Amend/Adam Soboczynski, „Manche sagen, ich sei arrogant. Ich bin arrogant!“. Er wurde Zeichner, um eine Frau kennenzulernen, machte das Genießen zum Beruf – und ist heute Deutschlands Gourmetpapst. Ein Gespräch mit ZEITmagazin-Kolumnist Wolfram Siebeck, in: Zeit-Magazin, Nr. 50 v. 18.9.2008, S. 12–28.
Jakob Strobel y Serra, Zum Tod von Wolfram Siebeck. Esst euch glücklich!, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 8.7.2016. (P)
Jörn Kabisch, Ein sehr ernsthafter Hedonist, in: Tageszeitung v. 9.7.2016. (P)
Claudia Tieschky, Der Vorkoster, in Süddeutsche Zeitung v. 9.7.2016. (P)
Joschka Fischer, Er hat mein Land besser gemacht. Siebeck praktizierte und lehrte die Westbindung, in: Die Zeit v. 14.7.2016, S. 55.
Wolfgang Lechner, Wolfram lebt. Er war unbestechlich und jederzeit bereit, sich Feinde zu machen, wenn er von der Sache überzeugt war. Aber arrogant? Das war er nicht, in: ebd., S. 55.
Daniel Deckers/Josef Matzerath, Das Deutsche Küchen- und Weinwunder, 2025.
Wo isst Wolfram Siebeck? Ein Reisetagebuch. (P)
Wolfram Siebeck und das deutsche Küchenwunder. (P) (Multimedia-Reportage des Deutschen Archivs der Kulinarik, Kurator: Josef Matzerath)
Fotografien, Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden, Polaroid-Sammlung Barbara Siebeck. (weiterführende Hinweise)
Fotografien, 1931–1991, Abbildung in: Wolfram Siebeck, Das Haar in der Suppe hab’ ich nicht bestellt. Erinnerungen eines Berufsessers, 1996, nach S. 96.
drei Fotografien, ca. 1980–2005, in: Wolfram Siebeck, Ohne Reue und Rezept. Mein Leben für den guten Geschmack. Mit Nachworten v. Barbara Siebeck u. Vincent Klink, 2024, S. 104, 204 u. 211.