Johann, Alfred E.
- Lebensdaten
- 1901 – 1996
- Geburtsort
- Bromberg (Pommern, heute Bydgoszcz, Polen)
- Sterbeort
- Oerrel bei Gifhorn (Niedersachsen)
- Beruf/Funktion
- Journalist ; Reiseschriftsteller ; Schriftsteller ; Übersetzer
- Konfession
- evangelisch-lutherisch
- Normdaten
- GND: 104279702 | OGND | VIAF: 110761515
- Namensvarianten
-
- Johann, A. E.
- Wollschläger, Alfred Ernst Johann
- Johann, Alfred E.
- Johann, A. E.
- Wollschläger, Alfred Ernst Johann
- Fischer, Carl Matthias
- Johann, A.E.
- Johann, Alfred Ernst
- Wollschlaeger, Alfred E.
- Wollschläger, Alfred
- Wollschläger, Alfred Ernst
- Wollschläger, Alfred Ernst Johann
- Fischer, Karl Matthias
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-
Johann, Alfred E. (eigentlich Alfred Ernst Johann Wollschläger)
Pseudonym: Carl Matthias Fischer (1949/50)
1901 – 1996
Journalist, Reiseschriftsteller
Alfred E. Johann war von den 1920er Jahren bis in die 1990er Jahre mit einer Gesamtauflage von über 20 Millionen Exemplaren einer der erfolgreichsten deutschen Reiseschriftsteller. Vor allem seine Bücher über die USA und Kanada, in denen er spannende Unterhaltung mit politischen Wertungen verband, prägten das Nordamerika-Bild des deutschen Lesepublikums.
Lebensdaten
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Autor/in
→Volker Bendig (München)
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Zitierweise
Bendig, Volker, „Johann, Alfred E.“ in: NDB-online, veröffentlicht am 01.04.2025, URL: https://www.deutsche-biographie.de/104279702.html#dbocontent
Johann erhielt 1918 am Realgymnasium in Bromberg (Pommern, heute Bydgoszcz, Polen) das Abitur und engagiert sich 1918/19 im „Grenzschutz Ost“ – einer Sammlung (para-)militärischer Verbände, die polnische Gebietsansprüche in Schlesien und Posen bis zur endgültigen Grenzziehung durch den Versailler Vertrag bekämpfte. Von 1919 bis 1922 studierte er Evangelische Theologie, Soziologie und Geografie an der Universität Berlin, absolvierte danach eine Ausbildung an der Preußischen Staatsbank in Berlin, für die er bis Mai 1924 arbeitete, und war 1925/26 Mitarbeiter der Liquidations- und Treuhandgesellschaft sowie der Allgemeinen Garantiebank in Berlin.
Über Hans Zehrer (1899–1966) lernte Johann 1927 den Chefredakteur der angesehenen, liberal orientierten „Vossischen Zeitung“, Georg Bernhard (1875–1944), kennen, in dessen Auftrag er nach Kanada reiste, um eine Artikelserie über mittellose deutsche Auswanderer zu verfassen. Seit Mai 1927 unter kargen Bedingungen u. a. in Québec City, Edmonton (Alberta) und Vernon (British Columbia) arbeitend, publizierte Johann bis März 1928 in der „Vossischen Zeitung“ Reiseberichte, die er in dem Buch „Mit 20 Dollar in den Wilden Westen“ (1928) sammelte, das sich binnen eines Jahres rund 125 000 Mal verkaufte und den Grundstein für Johanns weitere Karriere legte. Zu einem Erfolg wurde auch der Reisebericht „40000 Kilometer! Eine Jagd auf Menschen und Dinge rund um Asien“ (1929), der eine Auflage von ca. 60 000 Exemplaren erreichte.
1929 wurde Johann Hauptschriftleiter der im Ullstein Verlag erscheinenden populärwissenschaftlichen Zeitschrift „Koralle“, die den Anspruch vertrat, „alle Gebiete des Wissens um die Natur“ und den technischen Fortschritt zu präsentieren und in den Weimarer Jahren eine Auflage zwischen 30 000 und ca. 60 000 Exemplaren erreichte. Im „Dritten Reich“ wurde die Zeitschrift eine populäre Illustrierte mit einer Auflage von bis zu 800 000 Exemplaren. 1929 erschien Johanns erster Roman „Die innere Kühle“, der von jungen deutschen Auswanderern in den USA handelt, jedoch weniger Resonanz erfuhr als seine Reiseberichte. 1936 wurde das Buch auf Weisung des Präsidenten der Reichsschrifttumskammer, Hanns Johst (1890–1978), auf die „Liste des schädlichen und unerwünschten Schrifttums“ gesetzt.
Seit 1933 arrangierte sich Johann mit dem NS-Regime. Er war 1933/34 Mitglied des Nationalsozialistischen Kraftfahrkorps, seit 1934 Mitglied des Reichsverbands der deutschen Presse sowie seit 1939 Mitglied der Reichsschrifttumskammer, trat jedoch nicht der NSDAP bei. Im Auftrag des Ullstein Verlags (seit 1937 Deutscher Verlag) unternahm Johann von 1934 bis 1936 eine Reise u. a. nach Australien, Neuseeland, Japan, Kanada und in die USA sowie 1938/39 eine umfangreiche Reise durch Subsahara-Afrika. Dazwischen wirkte er 1937/38 als Hauptschriftleiter der Reichsluftschutzbund-Zeitschrift „Die Sirene“. Während des Zweiten Weltkriegs war Johann u. a. freier Mitarbeiter der Wochenzeitung „Das Reich“ und beteiligte sich v. a. nach Kriegseintritt der USA an anti-amerikanischer Kriegspropaganda. Große Beachtung fand sein in über 300 000 Exemplaren verbreitetes Buch „Das Land ohne Herz“ (1942).
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs übersiedelte Johann nach Hünfeld bei Fulda und durchlief ein Entnazifizierungsverfahren in Hankensbüttel bei Gifhorn, das im November 1948 mit seiner Einstufung als „entlastet“ (Gruppe V) endete. Seit 1949 in Groß Oesingen (Lüneburger Heide) lebend, wechselte er zum C. Bertelsmann Verlag und setzte seine Karriere als populärer (Reise-)Schriftsteller in der Bundesrepublik fort. Vor allem seine Romantrilogie „Schneesturm“ (1950), „Weiße Sonne“ (1951) und „Steppenwind“ (1951), die von dem Ausbruch zweier deutscher Soldaten aus einem US-amerikanischen Gefangenenlager in Ohio und ihrer langen, abenteuerlichen Reise zurück in die Heimat handelt, erreichte ein Millionenpublikum. Unter Johanns weiteren Reisen sind eine längere Afrikareise (1955/56) und eine neunmonatige Weltreise (1958/59) hervorzuheben. Seit den 1960er Jahren veröffentlichte Johann weitere Bücher über die USA, in denen er seine Kritik aus der Zeit vor 1945 inhaltlich und sprachlich entschärfte, aber wesentliche Topoi seines amerikakritischen Weltbilds beibehielt. 1978 übersiedelte Johann nach Oerrel bei Gifhorn (Niedersachsen). Seit 2005 widmet sich die A. E. Johann-Gesellschaft e. V. der Bewahrung seines Werks.
seit 2010 | A. E. Johann-Preis der A. E. Johann-Gesellschaft e. V. (dreijährlich) (weiterführende Informationen) |
Nachlass:
A. E. Johann-Gesellschaft e. V., Knüllwald (Hessen). (persönliche Dokumente)
Weitere Archivmaterialien:
Axel Springer Unternehmensarchiv, Berlin.
Bundesarchiv, Berlin-Lichterfelde, Personalakte der Reichsschrifttumskammer. (Bestand BDC)
Unternehmensarchiv der Bertelsmann SE & CO. KgaA., Gütersloh.
Hessisches Hauptstaatsarchiv, Wiesbaden, Abt. 520/ Hü Nr. 584 R. 4728 K. 25. (Entnazifizierungsakte Alfred Wollschläger)
Autobiografie:
Menschen an meinen Wegen. Aus einem Leben auf Reisen, 1973, Taschenbuchausg. 1980.
Reiseliteratur:
Mit 20 Dollar in den Wilden Westen. Schicksale aus Urwald, Steppe, Busch und Stadt, 1928, Taschenbuchausg. 1982.
40000 Kilometer! Eine Jagd auf Menschen und Dinge rund um Asien, 1929, überarb. u. erg. Neuausg. 1983 u. d. T. Rund um Asien. Auf den Spuren meiner früheren Reisen.
Amerika. Untergang am Überfluß, 1932.
Känguruhs, Kopra und Korallen. Fahrten und Erlebnisse in Australien und der Südsee, 1936.
Kulis, Kapitäne und Kopfjäger. Fahrten und Erlebnisse zwischen Peking und der Timor-See, 1936.
Pelzjäger, Prärien und Präsidenten. Fahrten und Erlebnisse zwischen New York und Alaska, 1937.
Generäle, Geishas und Gedichte. Fahrten und Erlebnisse in Japan von Sachalin bis Manchukuo, 1937.
Groß ist Afrika. Vom Kap über den Kongo zur Westküste, 1939, Neuausg. 1957 u. d. T. Groß ist Afrika. Europas dunkle Schwester, 10. neu bearb. Aufl. 1963 u. d. T. Afrika gestern und heute. Europas dunkle Schwester.
Zwischen Westwall und Maginotlinie. Der Kampf im Niemandsland, 1939.
Das Land ohne Herz. Eine Reise ins unbekannte Amerika, 1942.
Heimat der Regenbogen. Irland, Insel am Rande der Welt, 1953, 31955, Neuausg. 1958, 1965, neubearb. Ausg. 1979 u. d. T. Irland. Heimat der Regenbogen.
Große Weltreise. Ein Führer zu den Ländern und Völkern dieser Erde, 1955, 131959.
Wo ich die Erde am schönsten fand, 1960, Neuausg. 1969, 1979, völlig überarb. Neuausg. 1988 u. d. T. Wo die Erde am schönsten ist.
Die wunderbare Welt der Malaien. Eine völlig unwissenschaftliche Liebeserklärung, 1961, Taschenbuchausg. 1983.
Der große Traum Amerika. Sieben Reisen in die USA. 1926 bis 1965, 1965, Neuausg. 1980 u. d. T. Amerika, der unbegrenzte Traum.
Amerika ist eine Reise wert, 1967, Neuausg. 1970, 1984, 1991. (Bildband)
Nach Kanada sollte man reisen. Fährten und Fahrten in einem großen Land, 1968, Neuausg. 1971, 1975, 1987.
Elefanten, Elefanten. Aufzeichnungen eines Liebhabers für andere Liebhaber, 1974, Neuausg. 1983, 1985.
Abenteuer der Ferne. Reisegeschichten, 1978, Neuausg. 1981, 1992.
Westwärts nach Oregon. Reisen durchs unbekannte Amerika, 1980, Neuausg. 1984, 1992.
Vom Yukon zum Rio Grande. Auf abgelegenen Straßen Nord-Amerikas, 1982, Taschenbuchausg. 1987.
Kanadas ferner Osten. Reise durch unberührte Wälder und Tundren, 1983, Neuausg. 1988.
Schön war die Welt. Erinnerungen an große Reisen, 1992.
Romane und Erzählungen:
Die innere Kühle, 1929.
Der Tod im Busch. Roman einer afrikanischen Reise, 1940.
Im Strom. Roman eines Lebens, 1942, Neuausg. 1969, Taschenbuchausg. 1979, 91986.
Das Ahornblatt. Kanadisches Zwischenspiel, 1944, Neuausg. 1969, Taschenbuchausg. 1979, 111991.
Schneesturm, Heimweh und nächtlicher Bambus. Roman einer Flucht nach Hause, 1950, Neuausg. 1962, Taschenbuchausg. 1976, 121986, finn. 1967.
Weiße Sonne. Ein Roman aus der Wirklichkeit von heute, 1951, Neuausg. 1962, Taschenbuchausg. 1977.
Steppenwind. Roman, 1951, Neuausg. 1962.
Der Mann, der sein Wort gab. Erzählung, 1951, Neuausg. 1963, überarb. Neuausg. 2018.
Die Wildnis, 1949, Taschenbuchausg. 1981, Neuausg. 1990. (bis 1952 unter dem Pseudonym Carl Matthias Fischer)
Sohn der Sterne und Ströme, 1955, Taschenbuchausg. 1977, Neuausg. 1988.
Am Rande der Winde, 1963, Taschenbuchausg. 1978, 81968, Neuausg. 1991.
Aus dem Dornbusch, 1972, Taschenbuchausg. 1979.
Ans dunkle Ufer, 1975, Neuausg. 1981, 1989, 2008.
Wälder jenseits der Wälder, 1976, Taschenbuchausg. 1982, Neuausg. 1989, 1999, 2009.
Hinter den Bergen das Meer, 1979, Taschenbuchausg. 1983, 61991, Neuausg. 2009.
Am Ende ein Anfang, 1978, Neuausg. 1983, 1992.
Die Leute von Babentin. Roman eines Dorfes, 1980, Taschenbuchausg. 1983, Neuausg. 1999.
Das Haus am Huronensee, 1980, Neuausg. 1986.
Südwest. Ein amerikanischer Traum, 1984, Neuausg. 1989, 2008.
Hinter amerikanischen Gardinen, 1985, Taschenbuchausg. 1989.
Die Wildnis aber schweigt, 1986, 21987, Neuausg. 1989, 2007.
Sehnsucht nach der Dobrinka. Eine Familiensaga aus Westpreußen, 1988, 41999, Neuausg. 2007.
Bibliografie:
A. E. Johann-Gesellschaft e. V., Bücher/Taschenbücher. (Onlineressource)
Wolfgang Lohmeyer, A. E. Johann. In der Welt zu Hause, in: German-Canadian Yearbook/Deutsch-Kanadisches Jahrbuch 6 (1981), S. 225–237.
Ulrich Ott, Amerika ist anders. Studien zum Amerika-Bild in deutschen Reiseberichten des 20. Jahrhunderts, 1991, S. 255–274.
Matthias Heeke, Reisen zu den Sowjets. Der ausländische Tourismus in Russland 1921–1941, Mit einem bio-bibliographischen Anhang zu 96 deutschen Reiseautoren, 2003, bes. S. 585 f.
Lawrence D. Stokes, Fact or Fiction? German Writer A. E. Johann, a Wiinipeg Communist, and the Depression in the Canadian West 1931–1932, in: Labour/Le Travail 57 (2006), S. 131–142.
Volker Bendig, Die populärwissenschaftliche Zeitschrift „Koralle“ im Ullstein und Deutschen Verlag 1925–1944, 2014.
Volker Bendig, A. E. Johann bei Ullstein und im Deutschen Verlag. Das Amerika-Bild eines Publizisten und Reiseschriftstellers in der Weimarer Republik und im Dritten Reich, in: David Oels/Ute Schneider (Hg.), „Der ganze Verlag ist einfach eine Bonbonniere“. Ullstein in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, 2015, S. 239–256.
Rudi Zülch, Ein Leben auf Reisen. Der Schriftsteller A. E. Johann, 2021. (Qu, P)
Elżbieta Nowikiewicz, Amerikabild(er) des Reiseberichterstatters und Reiseschriftstellers A. E. Johann, in: Germanistische Beiträge 48 (2022), S. 172–192.
Fotografien, ca. 1925–1980, Abbildungen in: Rudi Zülch, Ein Leben auf Reisen. Der Schriftsteller A. E. Johann, 2021, S. 3, 10, 48 u. 61.