Holtz, Peter
- Lebensdaten
- 1902 – 1970
- Geburtsort
- Stolberg (Rheinland)
- Sterbeort
- Bonn
- Beruf/Funktion
- Pharmakologe ; Physiologe ; Arzt
- Konfession
- unbekannt
- Normdaten
- GND: 142365807 | OGND | VIAF: 28204787
- Namensvarianten
-
- Holtz, Peter Wilhelm Josef
- Holtz, Peter Wilhelm Joseph
- Holtz, Peter
- Holtz, Peter Wilhelm Josef
- Holtz, Peter Wilhelm Joseph
- Holtz, P.
- Holtz, Pether
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- Albrecht Kossel (1853–1927)
- Athineos Philippu (geb. 1931)
- August Hirt (1898–1945)
- Dieter Palm (1924–2005)
- Ernest B. Verney (1894–1967)
- Ernst Ruickoldt (1892–1972)
- Hans-Günther Kroneberg (geb. 1919)
- Harold B. Dixon (1852–1930)
- Henry H. Dale (1875–1968)
- Hermann Blaschko (1900–1993)
- Hermann Fühner (1871–1944)
- Horst Grobecker (1934–2019)
- Kurt Greeff (1920–1998)
- Paul Wels (1890–1963)
- Ulf von Euler (1905–1983)
- Walther Laubender (1898–1980)
- Wolfgang Schaumann (geb. 1926)
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Holtz, Peter Wilhelm Josef (auch Joseph)
1902 – 1970
Pharmakologe, Physiologe
Peter Holtz gilt als einer der renommiertesten deutschen Pharmakologen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Er kombinierte physiologische und pharmakologische Methoden zur Erforschung endogener Wirkstoffe, entdeckte die Dopa-Decarboxylase und wies Noradrenalin als körpereigene Substanz nach. Seine Arbeiten zur Biosynthese der Katecholamine stellten eine wesentliche Grundlage für das Verständnis ihrer Rolle als Neurotransmitter und Hormone dar.
Lebensdaten
Geboren am 6. Februar 1902 in Stolberg (Rheinland) Gestorben am 9. November 1970 in Bonn Konfession römisch-katholisch Peter Holtz, Universitätsarchiv Frankfurt am Main (InC) = Peter Holtz, ca. 1958, Quelle: Universitätsarchiv Frankfurt am Main, Abt. 14, Nr. 39, Bl. 2, Fotograf(in): unbekannt. -
Autor/in
→Gisela Boeck (Rostock)
-
Zitierweise
Boeck, Gisela, „Holtz, Peter“ in: NDB-online, veröffentlicht am 1.4.2025, URL: https://www.deutsche-biographie.de/142365807.html#dbocontent
Nach dem Abitur am humanistischen Gymnasium in Stolberg (Rheinland) 1920 studierte Holtz bis 1929 Medizin, später – vermutlich unter dem Einfluss von Albrecht Kossel (1853–1927) auch Chemie – an den Universitäten in Heidelberg, Würzburg, Freiburg im Breisgau, München und Bonn. Das Chemiestudium schloss er 1926 mit dem Verbandsexamen ab, Medizin 1929 mit dem Staatsexamen. Er wurde 1929/30 in Bonn bei Hermann Fühner (1871–1944) mit der Arbeit „Entgiftung des Chloroforms“ zum Dr. med. promoviert.
Auf Empfehlung Fühners wechselte Holtz 1929 zu Paul Wels (1890–1963) nach Greifswald, wo er Medizinalpraktikant an der Medizinischen Klinik und später, finanziert durch die Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaft, Assistent am Institut für Pharmakologie war und wie Wels zu strahlenbiologischen Themen forschte. Als Rockefeller-Stipendiat hielt er sich von November 1930 bis Mai 1932 am Pharmakologischen Institut der Universität Cambridge, am National Institute for Medical Research sowie am University College in London auf, wo sich vermutlich sein Interesse an physiologisch-chemischen Fragestellungen herausbildete. Er arbeitete bei dem Physiologen Henry H. Dale (1875–1968), dem Chemiker Harold B. Dixon (1852–1930) sowie dem Physiologen und Pharmakologen Ernest B. Verney (1894–1967). Nach seiner Rückkehr wurde Holtz planmäßiger Assistent am Pharmakologischen Institut der Universität Greifswald.
Im Mai 1933 trat Holtz der NSDAP bei; auch wirkte er als Arzt bei der Hitler-Jugend. Unter Wels habilitierte er sich 1935 an der Universität Greifswald mit der Arbeit „Oxydations- und Reduktionswirkungen bestrahlter Zucker“ für Pharmakologie und Toxikologie und wurde hier 1936 Privatdozent. Ende 1938 erhielt er einen Ruf als planmäßiger außerordentlicher Professor für Physiologische Chemie an die Universität Rostock und wurde Direktor des Physiologisch-Chemischen Instituts. Von 1940 bis 1945 vertrat er zusätzlich den Lehrstuhl für Pharmakologie und Toxikologie des erkrankten Ernst Ruickoldt (1892–1972) und fungierte als kommissarischer Direktor des Pharmakologischen Instituts der Universität Rostock.
1941 führte Holtz für einen Monat Forschungsarbeiten am Kaiser-Wilhelm-Institut für Zellphysiologie durch. 1942 nahm August Hirt (1898–1945), der Menschenversuche mit dem Kampfstoff Senfgas (Lost) durchführte, Kontakt zu Holtz auf. Holtz erhielt einen Forschungsauftrag des Reichsforschungsrats mit dem Titel „Fluoreszierende Körper in normalen und kranken Organen“ und führte dazu höchstwahrscheinlich Tierversuche in Rostock durch. Auch wenn er an einer Konferenz bei Hirt in Straßburg (Elsaß, heute Strasbourg, Frankreich) teilnahm, ist nach derzeitigem Kenntnisstand davon auszugehen, dass Holtz nicht an Menschenversuchen beteiligt war, vermutlich aber davon wusste. Deshalb entschied die Universität Greifswald 2006, Holtzʼ Namen für das Research Center of Pharmacology and Experimental Therapeutics wieder abzulegen. Holtzʼ Einstellung gegenüber dem nationalsozialistischen Regime einzuschätzen, ist aufgrund der Aktenlage schwierig.
Neben den strahlenbiologischen Arbeiten untersuchte Holtz die Wirkung des Histamins, dessen Biosynthese aus Histidin und physiologisch-chemische Aspekte der Ascorbinsäure. Später wandte er sich den Reaktionen zwischen Tyrosin, Dihydroxyphenylalanin (Dopa), Noradrenalin und Adrenalin und insbesondere der Rolle des von ihm entdeckten Enzyms Dopa-Decarboxylase zu. Parallel zu Hermann Blaschko (1900–1993) gelang Holtz der Nachweis von Noradrenalin im Nebennierenmark und die vollständige Aufklärung der Biosynthese der Katecholamine. Die entsprechende Publikation reichte er im Oktober 1944 ein, sie erschien in Folge des Krieges erst 1947. Der schwedische Physiologe Ulf von Euler (1905–1983) publizierte zu diesem Thema 1946, sodass Holtz und Euler als Entdecker des Noradrenalins gelten können. Darauf wies Euler in seinem Vortrag beim Erhalt des Nobelpreises für Physiologie oder Medizin 1970 hin.
1946 an der Universität Rostock kurzzeitig entlassen, übernahm Holtz einen Lehrauftrag für Pharmakologie an der Universität Greifswald, bis er im Oktober 1946 als ordentlicher Professor mit dem Lehrstuhl für Pharmakologie und Physiologische Chemie sowie Direktor des Pharmakologischen und Physiologisch-Chemischen Instituts an die Universität Rostock zurückkehrte. 1947 wurde er als ordentlicher Professor an der Medizinischen Fakultät der Universität Rostock bestätigt. 1949 absolvierte Holtz einen zweimonatigen Forschungsaufenthalt bei Euler. Im 1951 ausgestellten Einzelvertrag mit dem Staatssekretariat für das Hochschulwesen der DDR erhielt er zahlreiche Privilegien, wozu auch die Gewährung von Freizügigkeit in Berufungsangelegenheiten gehörte. Trotzdem lehnten die DDR-Behörden die Annahme der 1952 erfolgten Berufung an die Universität Frankfurt am Main ab. Um den Ruf anzunehmen, kehrte Holtz im April 1953 von einer Dienstreise nach Bad Nauheim bzw. Wiesbaden nicht zurück.
In Frankfurt am Main kam es zu erheblichen Konflikten mit dem kommissarischen Institutsdirektor seit 1949, Walther Laubender (1898–1980). Holtz widmete sich in der Frankfurter Zeit Arbeiten zu den pathophysiologischen Grundlagen der arteriellen Hypertonie und deren Therapie. Zu seinen Schülern gehören u. a. Kurt Greeff (1920–1998), Horst Grobecker (1934–2019), Hans-Günther Kroneberg (geb. 1919), Dieter Palm (1924–2005), der in Frankfurt sein Nachfolger wurde, Athineos Philippu (geb. 1931), Wolfgang Schaumann (geb. 1926) und Hans-Joachim Schümann (1919–1998).
1925 | Mitglied des Corps Bavaria München |
1936–1945 | Mitglied des NS-Dozentenbunds |
1936–1945 | Mitglied des NS-Ärztebunds |
1943 | Von-Eicken-Preis |
1952 | Nationalpreis der DDR II. Klasse |
1952 | Mitglied der Leopoldina |
1953 | ordentliches Mitglied der Deutschen Akademie der Wissenschaften zu Berlin (seit 1967 korrespondierend, seit 1969 auswärtiges) |
1964 | Schmiedeberg-Plakette der Deutschen Pharmakologischen Gesellschaft |
1967 | Vernon-Stouffer-Preis |
Mitglied der Deutschen Pharmakologischen Gesellschaft |
Nachlass:
nicht bekannt.
Weiterführende Archivmaterialien:
Bundesarchiv, Berlin-Lichterfelde, BDC-Personalaktenregistratur, DS/Wissenschaftler/ 8200001262 u. PK/Parteikorrespondenz/ 1050003674.
Bundesarchiv, Berlin-Lichterfelde, Akten des Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik, MfS AS 1626/67: Peter Holtz.
Bundesarchiv, Koblenz, Bestand der Deutschen Forschungsgemeinschaft, R 7311787.
Universitätsarchiv Bonn, MF-Prom. 70, Teil 3. (Promotionsprotokoll)
Universitätsarchiv Greifswald, u. a. PA 1212. (Personalakte)
Universitätsarchiv Rostock. (Personalakte, Kurator- und Fakultätsakten)
Universitätsarchiv Frankfurt am Main, Abt. 14, Nr. 39 (Personalhauptakte) u. Abt. 4, Nr. 559. (Personalakte)
Senkenbergisches Institut für Geschichte der Medizin der Universität Frankfurt am Main, Sachakte Peter Holtz: Ordner 66 (Pharmakologisches Institut) u. Institutsakte Pharmakologisches Institut, Bd. 2 u. 3, Ordner 66.
Versuche zur Entgiftung des Chloroforms, 1929. (Diss. med.)
Über Reduktions- und Oxydationswirkungen bestrahlter Zucker, 1936. (Habilitationsschrift)
Peter Holtz/Karl Credner/Fritz Heepe, Über die Beeinflussung der Diurese durch Oxytyramin und andere symopathicomimetische Amine, in: Naunyn-Schmiedebergs Archiv für experimentelle Pathologie und Pharmakologie 204 (1944/47), S. 85–97.
Peter Holtz/Karl Credner/Günther Kroneberg, Über das sympathicomimetischepressorische Prinzip des Harns („Urosympathin“), in: ebd., S. 228–243.
Peter Holtz/Karl Credner/Fritz Drenkhahn/Günther/Kroneberg/Esther Künzelmann, Dopadecarboxylase, Renin und renale Hypertonie, in: ebd., S. 244–266.
Peter Holtz/Dieter Palm, Brenzkatechinamine und andere sympathicomimetische Amine. Biosynthese und Inaktivierung, Freisetzung und Wirkung, 1966.
Bibliografie:
Christina Witte, „Ungestört wissenschaftlich weiterarbeiten …“. Der Pharmakologe Peter Holtz (1902–1970), 2006, S. 128–142. (ungedr. Diss. med., Greifswald) (Onlineressource)
Hans-Joachim Schümann, Nekrolog Peter Holtz, in: Ergebnisse der Physiologie. Reviews of Physiology 66 (1972), S. 4–12.
J. C. Poggendorffs biographisch-literarisches Handwörterbuch der exakten Naturwissenschaften, Bd. 7a, 1958, S. 539 f.
Hans Herken, Peter Holtz zum Gedächtnis, in: Naunyn-Schmiedeberg’s Archives of Pharmacology 274 (1972), H. 1, S. 1–6.
Günther Kroneberg, In memoriam Peter Holtz, in: Arzneimittelforschung 21 (1971), S. 150–157.
Hans-Joachim Schümann, Peter Holtz, 1902–1970, in: Ergebnisse der Physiologie, Biologischen Chemie und Experimentellen Pharmakologie 66 (1972), S. 2–12. (P)
Günther Kroneberg, Holtz in Rostock, in: DGPT-Forum. Mitteilungen der Deutschen Gesellschaft für Pharmakologie und Toxikologie 27 (2000), S. 30–32.
Dieter Palm, Holtz in Frankfurt, in: DGPT-Forum. Mitteilungen der Deutschen Gesellschaft für Pharmakologie und Toxikologie 27 (2000), S. 33–35.
Werner Osswald, Mein Gastaufenthalt im Frankfurter Institut. 1958–1959, in: DGPT-Forum. Mitteilungen der Deutschen Gesellschaft für Pharmakologie und Toxikologie 27 (2000), S. 35–37.
Michael Buddrus/Sigrid Fritzlar, Art. „Peter Wilhelm Joseph Holtz“, in: dens. (Hg.), Die Professoren der Universität Rostock im Dritten Reich. Ein biographisches Lexikon, 2007, S. 197 f.
Christina Witte, „Ungestört wissenschaftlich weiterarbeiten …“. Der Pharmakologe Peter Holtz (1902–1970), 2006. (ungedr. Diss. med., Greifswald) (Qu, W, P) (Onlineressource)
Gabriele Moser, Forschungsförderung im Nationalsozialismus. Der Rostocker Pharmakologe Peter Holtz und Andere, in: Gisela Boeck/Hans-Uwe Lammel (Hg.), Die Universität Rostock in den Jahren 1933–1945, 2012, S. 115–130. (Onlineressource)
Fotografie v. Ilse Lemmerich (1895–1981), ca. 1950, Universitätsarchiv Rostock.