Ackermann, Anton / seit Juli 1935 Deckname, seit 30.10.1947 amtlicher Name
- Dates of Life
- 1905 – 1973
- Place of birth
- Thalheim im Erzgebirge
- Place of death
- Berlin-Ost
- Occupation
- Parteifunktionär ; SED-Politiker ; Politiker
- Religious Denomination
- evangelisch-lutherisch, seit 1922 konfessionslos
- Authority Data
- GND: 119375753 | OGND | VIAF: 35389
- Alternate Names
-
- Hanisch, Eugen / geborener
- Ackermann, Anton / seit Juli 1935 Deckname, seit 30.10.1947 amtlicher Name
- Hanisch, Eugen / geborener
- Ackermann, Anton
- Hanisch, Eugen
- Hänisch, Eugen
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Ackermann, Anton (seit Juli 1935 Deckname, seit 30.10.1947 amtlicher Name, geb. Eugen Hanisch)
1905 – 1973
Parteifunktionär, SED-Politiker
Anton Ackermann gehörte seit 1935 zur obersten Führungsspitze der KPD, von 1946 bis 1953 der SED. Sein Name verbindet sich mit der 1946 veröffentlichten These vom „besonderen deutschen Weg zum Sozialismus“, nach der es keine Übertragung des sowjetischen Gesellschaftsmodells auf Deutschland geben solle, was Ackermann 1948 öffentlich widerrufen musste. Weniger bekannt ist sein Wirken als Staatssekretär im DDR-Außenministerium von 1949 bis 1953 und beim Aufbau des Auslandsnachrichtendiensts der DDR 1951/52.
Dates of Life
Anton Ackermann, BArch / Bildarchiv (InC) -
Author
→Heike Amos (Berlin)
-
Citation
Amos, Heike, „Ackermann, Anton / seit Juli 1935 Deckname, seit 30.10.1947 amtlicher Name“ in: NDB-online, veröffentlicht am 01.04.2025, URL: https://www.deutsche-biographie.de/119375753.html#dbocontent
Ausbildung und politische Tätigkeit bis 1933
Ackermann musste bereits als Kind zum Unterhalt der Familie beitragen. Nach Abschluss der Volksschule in Thalheim im Erzgebirge 1920 wurde er als Spuler, Ränder- und Fußmacher in der dortigen Strumpffabrikindustrie angelernt, wo er bis 1928 arbeitete. 1920 trat er der Textilarbeitergewerkschaft und dem neu gegründeten Kommunistischen Jugendverbands Deutschlands bei, Anfang 1926 der KPD. Er stieg schnell in die KPD-Bezirksleitung Erzgebirge-Vogtland auf und beteiligte sich hier 1923 im Rahmen des „Deutschen Oktober“ an Vorbereitungen zu einem bewaffneten kommunistischen Aufstand, der jedoch nicht stattfand.
Anfang 1929 entsandte die KPD-Führung Ackermann zu einem Halbjahres-, dann Zweijahreskurs an die Internationale Leninschule nach Moskau, an der er als Aspirant, Lehrer und Lektor bis Anfang 1933 wirkte. Parallel dazu arbeitete Ackermann als Persönlicher Referent des jeweiligen Vertreters des Zentralkomitees (ZK) der KPD beim Exekutivkomitee der Kommunistischen Internationale (EKKI) – zunächst für Wilhelm Pieck (1876–1960), dann für Fritz Heckert (1884–1936). Ackermann fertigte politische Analysen, Ausarbeitungen und Berichte für KPD-Funktionäre an; eine Anbindung an den sowjetischen Nachrichtendienst während der Moskauer Jahre gilt als wahrscheinlich.
Politische Arbeit während des Nationalsozialismus
Im Auftrag der deutschen Vertreter beim EKKI wurde Ackermann im April 1933 zur illegalen politischen Arbeit nach Deutschland gesandt. Es gelang ihm, nach den umfangreichen Verhaftungen von Kommunisten eine teilweise Reorganisation kommunistischer Strukturen durch Dezentralisierung in Deutschland einzuleiten und illegale kommunistische Zeitungen weiter herausgeben zu lassen. Ende April 1935 ging Ackermann nach Prag und nahm im Juli/August 1935 in Moskau am VII. Weltkongreß der Kommunistischen Internationale und im Oktober 1935 in Brüssel an der KPD-Parteikonferenz teil. Hier wurde er in das ZK und das neu gebildete Politbüro der KPD gewählt und zählte damit neben Pieck, Wilhelm Florin (1894–1944), Walter Ulbricht (1893–1973), Herbert Wehner (1906–1990) und Elli Schmidt (1908–1980) zur Führungsspitze der KPD. Ackermann war wie Ulbricht, Franz Dahlem (1892–1981) und Paul Merker (1894–1969) Mitglied der neu gebildeten, zentralen Auslandsleitung der KPD, die ihren Sitz in Prag, seit Herbst 1936 in Paris hatte. Im Sommer 1937 nahm Ackermann am Spanischen Bürgerkrieg teil, u. a. als Redakteur beim deutschen Freiheitssender 29,8 in Madrid.
Bei Beginn des Zweiten Weltkriegs im September 1939 einer Internierung in Paris entgangen, traf Ackermann im April 1940 wieder in Moskau ein, wo er bis 1945 als Chefredakteur des Rundfunksenders Freies Deutschland wirkte und Zeitungsbeiträge, Texte für Flugblätter, Appelle und Aufrufe verfasste, gerichtet an deutsche Soldaten und Offiziere an der Front und in sowjetischer Kriegsgefangenschaft. Er war im Juni 1943 Gründungsmitglied des Nationalkomitees Freies Deutschland (NKFD).
Politische Tätigkeit in der DDR
Am 1. Mai 1945 kehrte Ackermann als Leiter einer der drei KPD-Initiativgruppen (Gruppe Ackermann) nach Deutschland zurück und wurde in Sachsen eingesetzt. Er war Mitverfasser und Unterzeichner des Aufrufs des ZK der KPD vom 11. Juni 1945, eines an die Sozialdemokraten und bürgerlichen Parteien gerichteten deutschlandpolitischen Programms der KPD. Auf dem Vereinigungsparteitag von KPD und SPD zur SED am 21./22. April 1946 in Berlin wurde Ackermann in den Parteivorstand und das Zentralsekretariat gewählt. Diese Position behielt er im Januar 1949 nach seiner Wahl als Kandidat des SED-Politbüros. Seine Zuständigkeit umfasste Presse und Rundfunk, Verlagswesen, Volksbildung, Wissenschaft, Literatur und Kunst.
Noch im Vorfeld der SED-Gründung veröffentlichte Ackermann im Februar 1946 im Auftrag und mit Billigung der Parteiführung die These über einen „besonderen deutschen Weg zum Sozialismus“ und argumentierte gegen eine Übertragung des sowjetischen Gesellschaftsmodells auf Deutschland, für das stattdessen ein friedlicher, längerfristiger, demokratischer Übergang vom bürgerlichen zum sozialistischen Staat über Wahlen möglich sei. Diese These erregte Aufsehen und fand positiven Anklang unter deutschen Kommunisten und Sozialdemokraten, musste jedoch auf einer Tagung des Parteivorstands der SED im September 1948 aufgrund der beginnenden Stalinisierung der SED von Ackermann öffentlich widerrufen werden.
Bei Gründung der DDR im Oktober 1949 wurde Ackermann als Staatssekretär im Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten dem CDU-Außenminister Georg Dertinger (1902–1968) zugeteilt. Seit August 1951 baute er den Außenpolitischen Nachrichtendienst der DDR auf, gab aber wegen Dauerkonflikten mit dem sowjetischen Geheimdienstberater die Leitung des Auslandsspionagedienstes im November 1952 an Markus Wolf (1923–2006) ab. Als Dertinger im Januar 1953 verhaftet wurde, übernahm Ackermann kommissarisch dessen Amt.
Ackermann gehörte im Sommer 1953 zu den Kritikern Ulbrichts und wurde der „innerparteilichen Fraktionsarbeit“ mit der Gruppe um Wilhelm Zaisser (1893–1958) und Rudolf Herrnstadt (1903–1966) bezichtigt, weshalb er alle Parteiämter und die Funktion im Außenministerium verlor und eine „strenge Parteirüge“ erhielt. Trotz Rehabilitierung im Juli 1956 erlangte er seine frühere Spitzenposition in Partei und Staat nicht zurück. Seit 1954 leitete er die Hauptverwaltung Film im Kulturministerium und wechselte im Februar 1958 in die Staatliche Plankommission. Aus gesundheitlichen Gründen wurde er Ende 1961 invalidisiert.
1945 | Orden des Roten Sterns der UdSSR |
1956 | Hans-Beimler-Medaille |
1956 | Ernst-Moritz-Arndt-Medaille |
1957 | Vaterländischer Verdienstorden in Silber (1965 in Gold, 1970 Ehrenspange) |
1958 | Medaille für Kämpfer gegen den Faschismus |
1959 | Verdienstmedaille der DDR |
1959 | Hufeland-Medaille |
1960 | Banner der Arbeit |
1961 | Artur-Becker-Medaille der FDJ (DDR) |
1961 | Johannes-R.-Becher-Medaille des Kulturbunds der DDR |
1966 | Medaille für 40jährige aktive Parteimitgliedschaft |
1979 | Polytechnische Oberschule Anton-Ackermann, Thalheim im Erzgebirge (nach 1991 Oberschule Thalheim) |
1985 | 10-Pfennig-Briefmarke Anton Ackermann, Deutsche Post (DDR) |
1986 | Militärtechnisches Institut Anton Ackermann, Königswusterhausen (1990 abgewickelt) |
Nachlass:
Bundesarchiv, Berlin-Lichterfelde, Stiftung Archiv der Parteien und Massenorganisationen der ehemaligen DDR, NY 4109. (weiterführende Hinweise)
Weitere Archivmaterialien:
Bundesarchiv, Berlin-Lichterfelde, Stiftung Archiv der Parteien und Massenorganisationen der ehemaligen DDR, SED-Kaderakte DY 30/8 9661, Erinnerungsbericht SgY 30/918.
Bundesarchiv, Berlin, Ministerium für Staatssicherheit, Unterlagen MfS SV 4/75, Bd. 8.
Gedruckte Quellen:
Frank Schumann (Hg.), Anton Ackermann. Der deutsche Weg zum Sozialismus. Selbstzeugnisse und Dokumente eines Patrioten, 2005.
Anton Ackermann/Walter Hähnel, Die junge Generation, 1936. (zugangsbeschränkte Onlineressource)
An die lernende und suchende deutsche Jugend. Deutschlands Weg zum Wiederaufstieg und zur Einheit, 1946. (zugangsbeschränkte Onlineressource)
Fragen und Antworten, 1946. (Onlineressource)
Religion und Politik. Offene Worte eines Marxisten an alle Christen, 1946. (Onlineressource)
Wo steht und wohin geht die SPD, 1947. (Onlineressource)
Arbeiterklasse und Kultur, 1948.
Über die Wiedergeburt des deutschen Imperialismus und den nationalen Charakter unseres Kampfes, 1951.
Aufsätze, Reden, Zeitungsartikel:
Der Kampf der KPD und die junge Generation. Referat auf der Brüsseler Konferenz der KPD, 1936.
Gibt es einen besonderen deutschen Weg zum Sozialismus?, in: Einheit. Monatsschrift zur Vorbereitung der Sozialistischen Einheitspartei, H. 1 (1946), S. 22–32.
Marxistische Kulturpolitik. Rede auf dem 1. Kulturtag der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands, 1948. (Onlineressource)
Die Rolle der Partei, in: Neues Deutschland 3 v. 17. 9. 1948, S. 2. (Onlineressource)
Jürgen Hofmann, Anton Ackermann und die Problematik der nationalen Wege zu Sozialismus, in: Helle Panke e. V. (Hg.), Lesarten marxistischer Theorie, 1996, S. 49–60.
Jürgen Hofmann, Anton Ackermann. Über den „besonderen deutschen Weg“, in: Wege aus der Katastrophe. Debatten über ein Nachkriegsdeutschland und nationale Wege zum Sozialismus im europäischen Vergleich, hg. v. Klaus Kinner, 2006, S. 23–34.
Frank Hoffmann, Parteisoldaten oder Netzwerker? SED-Kulturfunktionäre „nach Moskau“. Vorüberlegungen zu Anton Ackermann und Hans Rodenberg, in: Silke Flegel/Christoph Garstka (Hg.), „Stalinkomplex“!? Deutsche Kulturkader im Moskauer Exil und in der DDR, 2021, S. 275–292.
Lexikonartikel:
N. N., Art. „Ackermann, Anton“, in: Hermann Weber/Andreas Herbst, Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945, 2004, S. 53 f. (Onlineressource)
Bernd-Rainer Barth/Heinz Mestrup, Art. „Ackermann, Anton“ in: Helmut Müller-Enbergs (Hg.), Wer war wer in der DDR?, 2010. (Onlineressource)
Dokumentarfilm:
Die verlorene Zeit. Anton Ackermann, 1991, Regie: Günter Jordan.
Fotografien, 1950, digitales Bildarchiv des Bundesarchivs. (Onlineressource)
Fotografie, 1949, Nachlass, Stiftung Archiv der Parteien und Massenorganisationen der ehemaligen DDR im Bundesarchiv, Berlin, NY 4109.