Menke-Glückert, Peter
- Lebensdaten
- 1929 – 2016
- Geburtsort
- Karlsruhe
- Sterbeort
- Bonn-Bad Godesberg
- Beruf/Funktion
- Ministerialbeamter ; Wissenschaftsmanager ; Umweltpolitiker ; Politiker ; Publizist
- Konfession
- evangelisch-lutherisch
- Normdaten
- GND: 1012382478 | OGND | VIAF: 171586594
- Namensvarianten
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- Menke-Glückert, Peter
- Menke-Glückert, Peter
- Glueckert, Peter Menke-
- Glückert, Peter Menke-
- Glükert, Peter M.-
- Menke-Glueckert, Peter
- Menke-Glükert, Peter
- Menke-Glückert, Pether
- Menke-Glückert, Pether
- Glueckert, Pether Menke-
- Glückert, Pether Menke-
- Glükert, Pether M.-
- Menke-Glueckert, Pether
- Menke-Glükert, Pether
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Menke-Glückert, Peter
1929 – 2016
Ministerialbeamter, Wissenschaftsmanager, Umweltpolitiker
Peter Menke-Glückert war ein der FDP angehörender Ministerialbeamter und Wissenschaftsmanager, der für die institutionelle Begründung der Friedens- und Zukunftsforschung in der Bundesrepublik eine wichtige Rolle spielte. Als Leiter der Abteilung Koordinierungsaufgaben des Umweltschutzes im Bundesinnenministerium erarbeitete er Anfang der 1970er Jahre die Grundprinzipien der bundesdeutschen Umweltpolitik.
Lebensdaten
Geboren am 27. März 1929 in Karlsruhe Gestorben am 7. September 2016 in Bonn-Bad Godesberg Grabstätte Zentralfriedhof in Bonn-Bad Godesberg Konfession evangelisch-lutherisch -
Autor/in
→Elke Seefried (Aachen)
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Zitierweise
Seefried, Elke, „Menke-Glückert, Peter“ in: NDB-online, veröffentlicht am 01.04.2025, URL: https://www.deutsche-biographie.de/1012382478.html#dbocontent
Menke-Glückert besuchte das Realgymnasium in Pirna und die Kant-Oberschule in Dresden-Plauen, wo er 1946 das Abitur erhielt. Seit 1946 Mitglied der Liberal-Demokratischen Partei Deutschlands (LDPD), studierte er in Leipzig u. a. Rechtswissenschaften, hier als Kommilitone Hans-Dietrich Genschers (1927–2016). Als Mitglied des Bezirksvorstands Leipzig und des Landes-Jugendbeirats der LDPD beteiligte sich Menke-Glückert ab 1948 an Flugblattaktionen der Partei und war deshalb einem Disziplinarverfahren und der Briefzensur ausgesetzt, nach eigenen Angaben auch kurzzeitig in Haft. 1950 floh er nach Berlin-West und übersiedelte von dort nach Bremen, um den juristischen Vorbereitungsdienst am Oberlandesgericht anzutreten. Nach einem Studienaufenthalt in den USA und dem Zweiten juristischen Staatsexamen 1955 wurde er, inzwischen FDP-Mitglied, Referent der Westdeutschen Rektorenkonferenz und 1961 Verwaltungsbeamter an der Universität Tübingen.
Anfang 1964 wechselte Menke-Glückert als Referent für Forschungsplanung in das Bundesministerium für wissenschaftliche Forschung. 1967 übernahm er die Leitung der Abteilung Wissenschaftsressourcen der Organisation for Economic Co-operation and Development (OECD) in Paris, war Ende 1967 Mitgründer der bundesdeutschen Gesellschaft für Zukunftsfragen, deren Vorsitz er 1975 bis 1982 innehatte, und wirkte von 1973 bis 1975 als Generalsekretär der World Future Studies Federation in Paris.
Menke-Glückert war ein Initiator der Friedensforschung: Vor dem Hintergrund der atomaren Hochrüstung im Kalten Krieg forderte er in Publikationen wie „Friedensstrategien“ (1969), den Frieden wissenschaftlich zu planen und entsprechende Institute zu schaffen. 1968 war er Mitgründer der Arbeitsgemeinschaft für Friedens- und Konfliktforschung.
Parteipolitisch nahm Menke-Glückert wichtige Funktionen in der Friedrich-Naumann-Stiftung wahr: 1963 und von 1985 bis 2014 als Mitglied und stellvertretender Vorsitzender des Kuratoriums, von 1964 bis 1985 als Vorstandsmitglied. Von 1964 bis 1983 war er Mitherausgeber der Zeitschrift „Liberal“, außerdem langjähriger Vorsitzender des Verbands Liberaler Akademiker. Er gehörte zum linksliberalen Flügel der FDP, der die Verankerung von Bürgerrechten, einer flexiblen Ostpolitik und seit 1970 des Umweltschutzes in den Leitlinien der Partei anstrebte.
1970 übernahm Menke-Glückert in dem von Genscher geleiteten Bundesministerium des Innern die Leitung des neu eingerichteten Referats Koordinierungsaufgaben für das neue Politikfeld Umweltschutz, mit dem er schon in der OECD und als Teilnehmer einer UNESCO-Konferenz „Man and Biosphere“ 1968 in Paris befasst war, wo er „Ten ecological commandements for world citizens“ präsentiert hatte. Unter seiner Leitung entstanden ab 1970/71 im Bundesinnenministerium das Umweltsofortprogramm, das Benzinblei-, Abfallbeseitigungs- und Immissionsschutzgesetz und das erste Umweltprogramm der Bundesregierung. Dieses legte in einem ordnungspolitischen Sinn Grundlagen für den Umweltschutz in der Bundesrepublik, u. a. das Verursacherprinzip, wonach Kosten von Umweltbelastungen dem Verursacher angelastet werden. Hinzu kam auf seine Initiative die Einrichtung des Sachverständigenrats für Umweltfragen 1972. Menke-Glückert, der mit Genscher eng zusammenarbeitete und mit ihm an der ersten Umwelt-Konferenz der Vereinten Nationen 1972 in Stockholm teilnahm, trug auch dazu bei, dass die Umweltpolitik als eine von vier Kernthemen in den „Freiburger Thesen“ der FDP 1971 genannt wurde.
Infolge der wirtschaftlichen Rezession 1974/75 schwand der umweltpolitische Reformgeist in der FDP, die nun eine angebotsorientierte Wirtschaftspolitik zur neuen Leitlinie erhob. Menke-Glückert, im Bundesinnenministerium 1975/76 Abteilungsleiter für Sport und Medien, dann für Zivile Verteidigung, wurde nach dem Regierungswechsel 1982 in den Ruhestand versetzt.
In den 1980er Jahren setzte Menke-Glückert sich für eine Stärkung von Bürgerinitiativen ein, außerdem für einen auf technischer Innnovation basierenden Umweltschutz, der ökologische und marktwirtschaftliche Prinzipien verband. 1991 erarbeitete er für das Bundeswirtschaftsministerium „Umweltinnovative Anreize für Kommunen und Wirtschaft in den neuen Bundesländern“.
1983 | Vorsitzender des Verbands liberaler Akademiker |
2009 | Goldene Ehrennadel mit Smaragd des Bundesverbands Mittelständische Wirtschaft |
Mitglied der Kommission Reinhaltung der Luft des Vereins Deutscher Ingenieure | |
Mitgründer des Deutschen Forums nachhaltiger Mittelstand im Bundesverband mittelständische Wirtschaft |
Nachlass:
Archiv des Liberalismus der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, Gummersbach.
Weitere Archivmaterialien:
Archiv des Liberalismus der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, Gummersbach, FDP-Ostbüro, Akte A45-1713.
Bundesarchiv, Koblenz, u. a. B 106/29 373, Akte zum Umweltprogramm der Bundesregierung, B 106/29 398 u. 8 0607, Akten zur Umweltplanung 1970 bis 1973, B 102/395 712, Akte zum Beratungsauftrag für das Bundesministerium für Wirtschaft 1990–1992.
Universitätsarchiv Leipzig, Immatrikulationsakte (Anfragen an die Universitätsarchive der FU Berlin und der TU Berlin, der Universitäten Göttingen und Rostock ergaben keine Hinweise auf eine Immatrikulation Menke-Glückerts).
Staatsarchiv Bremen, 3-R.5., Nr. 366, Referendar Peter Menke-Glückert.
Universitätsarchiv Tübingen, UA153/89, Personalakte Peter Menke-Glückert.
Friedensstrategien. Wissenschaftliche Techniken beeinflussen die Politik, 1969.
Systemplanung von Grundstoffen und Nahrungsmittelreserven, in: Karl Steinbuch (Hg.), SYSTEMS 69. Internationales Symposium über Zukunftsfragen, 1970, S. 53–86.
Bürgeranwälte. Beamte von morgen, 1975.
Der Medienmarkt im Umbruch. Ein aktueller Leitfaden, 1978.
Umweltpolitik in der Praxis, 1978.
Grünes Geräuschband. Peter Menke-Glückert über Greenpeace und die Öko-Emotionen der Deutschen, in: Der Spiegel Spezial, 1995, H. 11, S. 64–66.
Agnes Bünemann/Peter Menke-Glückert/Gunda Rachut, Der neue Kreislauf in der Wirtschaft. Praxishilfen zum Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz einschließlich seines untergesetzlichen Regelwerkes, 1997.
Karl Hamann, Die Liberalen und die Quellen. Anmerkungen und Überlegungen eines Zeitzeugen 1945 bis 1952, in: Jahrbuch für Liberalismus-Forschung 17 (2005), S. 253–270.
Kai F. Hünemörder, Die Frühgeschichte der globalen Umweltkrise und die Formierung der deutschen Umweltpolitik (1950–1973), 2004.
BVMW trauert um Peter Menke-Glückert, in: Der Mittelstand 5 (2016), S. 98. (P) (Onlineressource)
Sven-Oliver Wolff, „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.“ Zum Tod von Peter Menke-Glückert, in: Liberale Perspektiven. Zeitschrift für Gesellschaft und Moderne (2016), H. 2, S. 39–41.
Joachim Radkau, Geschichte der Zukunft. Prognosen, Visionen, Irrungen in Deutschland von 1945 bis heute, 2017.
Elke Seefried, Zukünfte. Aufstieg und Krise der Zukunftsforschung 1945–1980, 22017.
Elke Seefried, Liberale Friedensforschung. Peter Menke-Glückert, die FDP und der Wandel des Friedensbegriffs im Kalten Krieg, in: Jahrbuch zur Liberalismus-Forschung 31 (2019), S. 227–262.
Plakat zur Bundestagswahl 1980, Archiv des Liberalismus der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, Gummersbach, Audiovisuelles Sammlungsgut, P1-597.